Die Frühromantik.
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Es sind die Phasen etwa, die nun, in der Frühromantik,
durch eine noch neuere ergänzt und, wenigstens für die Zeit
der ersten subjektivistischen Periode, auch abgeschlossen wurden.
Die Mystik der Frühromantik kann, im Gegensatze zu der
individualistischen des amor intellectualis, ausgesprochener⸗
maßen als eine solche des Gemütes bezeichnet werden: ihr
„stehen Gedanken zu fern“; weitab von allem Rationalen ent⸗
nimmt sie die Kriterien der Wahrheit und Wahrscheinlichkeit
dem Gefühl, jenem Bestandteile unserer Erfahrung also, der,
sobald man ihn aus seinem Zusammenhange mit den sonstigen
vsychischen Elementen loslöst, sich allerdings als der unmittelbar
gewisseste, zugleich aber auch als der dunkelste, am wenigsten
abzugrenzende und analysierbare erweist. Es war gewißlich
die zarteste aller bis dahin in der deutschen Geschichte ver—⸗
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zusagen das Subjekt trotz aller Selbstentäußerung als Ganzes
frei und band es nur mit dem dunkeln Untergrunde seines
Wesens an das Absolute.
Freilich könnte man nun fragen, wie denn bei alledem die
rationale, denkhaft befriedigende Durchführung eines bestimmten
philosophischen Systems möglich geblieben sei? Allein eine
solche Frage würde nur die Schwierigkeit des Nicht-Adepten
zeigen, sich in den mystischen Bereich zu versetzen. Die Mystik
bedarf keines rationalen Schlusses; wie es im Athenaeum
heißt: Verstand ist mechanischer, Witz ist chemischer, Genie
— und das heißt: philosophische Begabung — ist organischer
Geist. Ja die Mystik versagt sich sogar den eigentlich mo—
dernen, den induktiven Schluß aus sehr natürlichen Gründen.
Da es sich bei ihr immer um ein Ineinssetzen von Subjekt
und Objekt handelt, so kommt sie im Grunde niemals über
ein die Identifikation anstrebendes Vergleichen hinaus: und
somit ist das ihr familiäre Beweismittel recht eigentlich der
mittelalterliche Analogieschluß. In diesem Zusammenhange ist
es denn auch ganz selbstverständlich, daß sie trotz höherer Kultur—
periode die mittelalterliche Dialektik, das getreue Komplement
zum Analogieschluß liebt. Darum ist denn den frühromantischen
Lamprecht, Deutsche Geschichte. X.