Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Frühromantik. 
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Es sind die Phasen etwa, die nun, in der Frühromantik, 
durch eine noch neuere ergänzt und, wenigstens für die Zeit 
der ersten subjektivistischen Periode, auch abgeschlossen wurden. 
Die Mystik der Frühromantik kann, im Gegensatze zu der 
individualistischen des amor intellectualis, ausgesprochener⸗ 
maßen als eine solche des Gemütes bezeichnet werden: ihr 
„stehen Gedanken zu fern“; weitab von allem Rationalen ent⸗ 
nimmt sie die Kriterien der Wahrheit und Wahrscheinlichkeit 
dem Gefühl, jenem Bestandteile unserer Erfahrung also, der, 
sobald man ihn aus seinem Zusammenhange mit den sonstigen 
vsychischen Elementen loslöst, sich allerdings als der unmittelbar 
gewisseste, zugleich aber auch als der dunkelste, am wenigsten 
abzugrenzende und analysierbare erweist. Es war gewißlich 
die zarteste aller bis dahin in der deutschen Geschichte ver—⸗ 
— 
zusagen das Subjekt trotz aller Selbstentäußerung als Ganzes 
frei und band es nur mit dem dunkeln Untergrunde seines 
Wesens an das Absolute. 
Freilich könnte man nun fragen, wie denn bei alledem die 
rationale, denkhaft befriedigende Durchführung eines bestimmten 
philosophischen Systems möglich geblieben sei? Allein eine 
solche Frage würde nur die Schwierigkeit des Nicht-Adepten 
zeigen, sich in den mystischen Bereich zu versetzen. Die Mystik 
bedarf keines rationalen Schlusses; wie es im Athenaeum 
heißt: Verstand ist mechanischer, Witz ist chemischer, Genie 
— und das heißt: philosophische Begabung — ist organischer 
Geist. Ja die Mystik versagt sich sogar den eigentlich mo— 
dernen, den induktiven Schluß aus sehr natürlichen Gründen. 
Da es sich bei ihr immer um ein Ineinssetzen von Subjekt 
und Objekt handelt, so kommt sie im Grunde niemals über 
ein die Identifikation anstrebendes Vergleichen hinaus: und 
somit ist das ihr familiäre Beweismittel recht eigentlich der 
mittelalterliche Analogieschluß. In diesem Zusammenhange ist 
es denn auch ganz selbstverständlich, daß sie trotz höherer Kultur— 
periode die mittelalterliche Dialektik, das getreue Komplement 
zum Analogieschluß liebt. Darum ist denn den frühromantischen 
Lamprecht, Deutsche Geschichte. X.
	        
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