Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Frühromantik. 
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licher Erfindungen hin und her geschüttelt, den ruhigen Horizont 
einer festen Weltanschauung und versank damit in die Zweifel 
des Urteilslosen. 
So war es denn schließlich die niederste Gattung, das 
Zauberdrama, die noch am besten gedieh. Aber auch sie doch 
nur da, wo eine schon recht populär gewordene Romantik an 
ein theatralisches Herkommen Anschluß fand, dem alte Narren⸗ 
spielkünste und selbst der Hanswurst noch nicht ganz fremd 
geworden waren. Es war in Wien der Fall: aus dieser Kom⸗ 
bination wuchsen schließlich, in den Zeiten der Spätromantik, 
die prächtigen und gemütreichen Stücke Raimunds hervor, von 
denen einige, wie der Verschwender, noch heute nicht selten 
gegeben werden!. 
Über all dies hinaus aber wäre der Romantik, insofern sie 
aus dem extremen Subjektivismus bald gebundenen Idealen, 
vor allem auch des Christentums anheimfiel, freilich auch, so 
sollte man denken, ein Drama mit der Schicksalsführung des 
16. bis 18. Jahrhunderts, letzter christlich firmer Zeiten, mög— 
lich gewesen: und Calderon und Shakespeare, beide von den 
Romantikern nicht bloß gerühmt, sondern auch praktisch hoch 
geschätzt, hätten hier Vorbilder bieten können. Indes konnte 
auf diesem Boden mehr als eine künstliche Kunst erstehen? 
Calderon und Shakespeare hatten aus den psychischen Be— 
dingungen ihrer Zeit gewirkt und darum ein lebensvolles 
Ganzes geschaffen; die neue Nachahmungskunst hatte nicht dies 
feste Fundament; sie schuf im Grunde doch immer aus einer 
gegenwärtigen Willkür. Und so erzeugte sie nur Scheinleben; 
ihre Technik war gemacht, ihr Wundersames übertrieben; ihre 
Vorbilder verflachten. Und hätte man, historisch unmöglich, 
selbst Calderon und Shakespeare übertroffen, so würde das 
Ergebnis unbefriedigend gewesen sein. Goethe hat das als 
Schauspieldirektor in Worte klarer Erfahrung gefaßt: „Bringt 
man so etwas irgendeinem Publikum, so setzt man bei dem— 
selben immer guten Willen voraus, daß es geneigt sei, auch 
S. darüber Genaueres unten Kapitel 2 Abschnitt III. 
Lamprecht, Deutsche Geschichte. X. 5
	        
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