Die Frühromantik.
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Die Erzählung des individualistischen Zeitalters war im
Grunde noch eine Aventüre gewesen oder, im Roman, eine
Sammlung von Abenteuern, die sich um eine Person gruppierten.
So wollte es die Kasuistik der Erfahrung, und so schadete es
auch nichts, wenn neben den Abenteuern noch ein ganzer bunter
Raritätenkasten von Anekdoten, allerlei „kuriosem“ gelehrtem
und traditionellem Detail, Hausbackenheiten, Bauernregeln, Vor⸗
schriften bürgerlichen und höfischen Lebens in einem Roman
zum Auspacken gelangte. Es war dem Leser dabei zumute,
als schlüge er ein Konversationslexikon auf; das Utile cum
dulci sollte ihm behagen; an eine bestimmte Tendenz, einen
inneren starken Zusammenhang, eine Evolution gar der Erzählung
dachte niemand. Im Simplizissimus am ehesten könnten noch
solche Motive gesucht werden; allein die schließliche Besserung
des Helden wird doch auch hier durch ein ganz mechanisches
und für sich stehendes Mittel, das Vertreiben auf eine einsame
Insel, erreicht. Freilich, dem Leser der Zeit erschien dieses
Mittel immerhin als ein göttliches Wunder und somit mo—
tiviert: nach der Zuversicht des Autors wird er „die göttliche
Barmherzigkeit preisen, wenn er findet, daß ein so schlimmer
Gesell ... dennoch die Gnade von Gott gehabt, der Welt
zu resignieren und in einem solchen Stand zu leben, darinnen
er zur ewigen Glori zu kommen verhofft“: und so siegt zu
guter Letzt wie im gleichzeitigen Drama der christliche Schicksals—
gedanke.
Der Periode des Simplizissimus aber war dann, mit dem
Zeitalter des Subjektivismus, der empfindsame Roman gefolgt,
Werthers Leiden hatte die Welt erobert; und eine letzte, der
Romantik sich schon nähernde Blüte war mit den litera—
rischen Erfolgen Jean Pauls erreicht worden. Leitete da nun
nicht schon die zum Himmel strebende Empfindung Jean
Pauls, die bei allem innerlichen Zuge zum Mystischen dürftige,
aber doch ein wenig realere Anschauung, die spielende, von
Bild zu Bild gaukelnde Sprechweise mit ihren gelegent—
lichen Wirklichkeitsaphorismen zu höheren romantischen Formen
über? Ja war Jean Paul nicht ganz schon ein Romantiker?