Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Frühromantik. 
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Denn ein tiefes Gemüt bricht aus ihnen, wenn auch nicht in 
immer völlig klarer Gestaltung des Gedankens, so doch mit 
dem Pathos einer hohen Poesie hervor; und dem halb Ele— 
gischen, Resignierten vermählt sich eine Feierlichkeit der Form 
und eine Kraft der Sprache, der kaum ein Triumph ver—⸗ 
sagt ist. 
Wie nächtlich ungestüm die Wellen wogen, 
Bald schwellend liebevoll zum Sternenkranze, 
Bald sinkend zu der Tiefe hingezogen, 
Sehnsüchtig flutend in dem Wechseltanze, 
Bis Morgenrot emporscheint aus den Wogen, 
Noch feucht in blumenlichtem Tränenglanze: 
So steigen hier der Dichtkunst hohe Strahlen 
Aus tiefer Sehnsucht Meer und Wonnequalen. 
Freilich, diese Höhe wird nicht immer erreicht; und mit 
der Unrast der inneren Empfindung, die sich nur selten im 
Strophenbau weit ausgezogener Kantilenen und damit in 
philosophischer Durchbildung ergeht, stellt sich auch ein sicht⸗ 
—D0 
Wenn ich still die Augen lenke 
Auf die abendliche Stille 
Und nur denke, daß ich denke, 
Will nicht ruhen mir der Wille, 
Bis ich sie in Ruhe senke. 
Und so sind es im Grunde doch nur wenige Edelsteine, 
die den Grund des poetischen Quells bei Schlegel bedecken, 
wenn sich auch selbst auf das Mittelmäßige noch Goethes 
Spruch beziehen läßt, daß das Manierierte ein subjektiviertes 
Ideelles sei, und ihm so das Geistreiche nicht leicht fehle. 
Tieck jedenfalls bezeichnet gegenüber Friedrich Schlegel einen 
entschiedenen Rückgang. Gewiß denkt auch ihm Liebe in süßen 
Tönen, denn Gedanken stehn zu fern; aber das tiefe träume— 
rische Sehnen der Großen der Frühromantik weicht bei ihm 
nur zu häufig gemachter Empfindung; das Pathos wird hohl, 
unplastisch, stammelnd: und der schlimmste Feind alles Hohen 
dieser Frühzeit erscheint, das Triviale.
	        
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