Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

452 Fünfundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
Augustenburger Partei gegenüber immer nachgiebiger. Grund 
hierfür war vornehmlich wohl, daß Preußen im November 
durch den Abschluß eines Handelsvertrages ein engeres Ver— 
hältnis zu Italien anzubahnen begonnen hatte, und daß ein 
italienisches wie preußisches Angebot, sich für Venetien und 
Schleswig⸗Holstein mit Geld abfinden zu lassen, in Wien Ab⸗ 
weisung erfahren hatte. Wie dem auch sei, die Agitation in 
den Elbherzogtümern, vor allem Holstein, nahm zu; langsam 
schien man wieder auf den Standpunkt vor Abschluß des 
Gasteiner Vertrages zurückzugleiten; ja bald erklärte Osterreich 
offen, es wolle mit dem Augustenburger nicht völlig brechen. 
Preußen schritt dann hiergegen zu wiederholten Vorstellungen, bis 
endlich eine Aussprache sterreichs, durch die es die sympathische 
Erklärung des Bundestages für den Augustenburger vom 28. Mai 
1864 als für sich verbindlich bezeichnete trotz des Vertrages 
von Gastein, Bismarck Anlaß zu einer letzten Probe auf gutes 
Einvernehmen gab. Am 26. Januar 1866 richtete er eine 
Depesche nach Wien, in der er ausführte, daß eine verneinende 
oder ausweichende Antwort auf sie identisch sein würde mit 
der Erklärung, daß man nicht mehr gemeinsame Wege mit 
Berlin gehen wolle; trage Osterreich seinen Beschwerden nicht 
Rechnung, so nehme Preußen für seine Politik „volle Freiheit“ 
in Anspruch. Und als dann die Antwort darauf ungenügend 
ausfiel, erklärte Bismarck dem österreichischen Botschafter, mit 
der alten Intimität sei es vorbei; Preußen stehe Osterreich 
nicht näher und nicht ferner als irgendeiner anderen europäischen 
Macht. 
Das bedeutete, bei dem bisher engen Nebeneinanderleben 
Osterreichs und Preußens in den deutschen Dingen, den Schluß 
der beiderseitigen Bundespolitik und den Anfang eines Bruches, 
und es kam nun darauf an, für diesen Allianzen zu ge— 
winnen. 
Bei der seit lange wohlwollenden Haltung Frankreichs 
gegenüber Preußen, wie sie Bismarck im Herbst 1865 in langen 
Anterredungen mit Napoleon zu Biarritz wieder noch einmal 
verstärkt hatte, ohne freilich für den Fall eines Krieges zwischen
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.