58 Fünfundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel.
Zusatze: „er würde so auch antworten, wenn Preußen vor der
Kriegserklärung stände.“ In zweiter Hinsicht hatte sich wieder
eine Grundschwierigkeit der Politik Osterreichs in Deutschland
herausgestellt. Preußen war an sich eine deutsche Macht; es
bedurfte, um deutsch zu sein, keiner Hegemonie in Deutschland
durch Vermittlung des Bundes. Hsterreich dagegen stand mit
seinen Interessen an sich schon zu sehr außerhalb Deutschlands,
im ohne Vermittlung einer Institution, wie die des Bundes,
genügend auf die nationalen Geschicke einwirken zu können. Es
var wohl eines der tiefsten Motive, die ——
an den Bundesgedanken fesselten. Man sah den Verfall der
Bundesinstitutionen in Wien ebensogut ein wie anderswo. Schon
Fürst Schwarzenberg hatte gesagt: „Ich bin, weiß Gott, kein
Verehrer der bestehenden Bundesverfassung · . Meiner un⸗
maßgeblichen Ansicht nach ist der alte Bundestag ein schwer⸗
fälliges, abgenütztes, den gegenwärtigen Umständen in keiner
Weife genügendes Zeug; ich glaube sogar, daß die gründlich
erschütterte, sehr wackelnde Butike beim nächsten Anstoß von
unen oder außen schmählich zusammenrumpeln wird.“ Aber
gleichwohl bedurfte man dieser Butike. Und man bedurfte
hrer ganz besonders als eines Pivots gegen Preußen. Im
Moment des Zerfalls des österreichisch-preußischen Einvernehmens,
das von den Mittelstaaten längst übel vermerkt worden war,
weil es sie im Bundestag bis zum fast völligen Ausschluß jeder
Bedeutung machtlos machte, zog man sich daher alsbald auf
den Bund zurück; und ein vertrauliches Rundschreiben an die
deutschen Regierungen teilte diesen gleichzeitig mit der Anfrage
Karolyis in Berlin mit, daß, falls Preußen auf diese Anfrage
keine befriedigende Antwort gebe, Osterreich sich an den deutschen
Bundestag wenden werde, um ihm das Schicksal der Herzog⸗
tümer anheimzustellen.
Nahm aber so die österreichische Regierung beim Auseinander⸗
gehen alsbald die legitime Gewalt des Bundes für sich in An⸗
spruch, so suchte Preußen nicht minder rasch für sich die
nationalen Sympathien der Einheitsbewegung zu gewinnen.
Am 24. März bereits kündigte Bismarck den deutschen Re—