Erste Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage. 461
des allgemeinen Stimmrechts an. Wie oft hat er nicht aus⸗
geführt: es sei eine durchaus konservative Maßnahme. Und
schon 1868 hat er von diesem Gesichtspunkte her in dem
Parlament aus wirklichen Volkswahlen wie eine Sicherung für
die Krone so eine Bürgschaft für die zu begründende Einheit
der Nation gesehen. „Diese Bürgschaft“, heißt es in einer
Denkschrift dieser Zeit, „kann Eurer Majestät Staatsministerium
nur in einer wahren, aus direkter Beteiligung der ganzen
Nation hervorgehenden Nationaloertretung finden. Nur eine
solche Vertretung wird für Preußen die Sicherheit gewähren,
daß es nichts zu opfern hat, was nicht dem ganzen Deutsch⸗
land zugute komme. Kein noch so künstlich ausgedachter Or⸗
ganismus von Bundesbehörden kann das Spiel und Widerspiel
dynastischer und partikularistischer Interessen ausschließen,
welches sein Gegengewicht und sein —D
vertretung finden muß. In einer Versammlung, die aus dem
ganzen Deutschland nach dem Maßstab der Bevölkerung durch
direkte Wahlen hervorgeht, wird der Schwerpunkt, so wenig
wie außer Deutschland, so auch nie in einen einzelnen, von
dem Ganzen sich innerlich loslösenden Teil fallen; darum kann
Preußen mit Vertrauen in sie eintreten. Die Interessen und
Bedürfnisse des preußischen Volkes sind wesentlich und un⸗
zertrennlich identisch mit denen des deutschen Volkes; wo dies
Element zu seiner wahren Bedeutung und Geltung kommt, wird
Preußen niemals befürchten dürfen, in eine seinen eigenen Inter⸗
essen widerstrebende Politik hineingezogen zu werden.“
Bei solcher Auffassung der Dinge war nur noch die Frage,
ob Bismarck die nötige Unbefangenheit, nach den Begriffen
auch noch der sechziger Jahre die nötige Skrupellosigkeit haben
werde, von seiner Witterung der kommenden Kombination von
Demokratismus und Imperialismus praktisch Gebrauch zu
machen. Auch zum Entscheid dieser Frage kann die Erzählung
wieder Herrn von Rechberg reden lassen. Er hat schon um
1860 geäußert: „Wenn Herr von Bismarck eine vollständige
diplomatische Erziehung hätte, so wäre er einer der ersten
Staatsmänner Deutschlands, wenn nicht der erste; er ist mutig,