Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

664 Fünfundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
Bismarck antwortete darauf einstweilen gar nicht. 
Weiterhin aber versuchte Osterreich, eine Diversion Napoleons 
zu seinen Gunsten zu erreichen und fand ihn dazu nicht wenig 
geneigt. Denn der Kaiser hatte von Preußen das Anerbieten 
von Landabtretungen für seine guten Dienste erwartet, sah 
sich aber in dieser Hinsicht, trotz einiger hingeworfener Koöder, 
getäuscht und rückte deshalb sichtlich von Preußen ab. Seit 
Ausgang April spätestens verhandelte nunmehr Hsterreich mit 
ihm und machte ihm Anerbieten, die groß genug waren, um 
ihn zu veranlassen, sich ganz auf österreichische Seite zu stellen 
und den Versuch zu wagen, Italien zum Bruche des preußisch— 
italienischen Bündnisses zu bewegen. Indes hierzu war es zu 
spät. In Italien herrschte schon einmütige Kriegsbegeisterung, 
schon hatte man geräuschvoll begonnen mobil zu machen und 
osterreichische Gegenmaßregeln verursacht, und so versagte sich 
La Marmora der französischen Lockung. 
Napoleon aber war von diesem Moment ab gleichwohl 
an Österreich gebunden, wenn er auch gegen Preußen eine 
freundliche Seite herauskehrte. Er war es um so mehr, als 
die öffentliche Meinung in Frankeich, der Thiers am 8. Mai 
im gesetzgebenden Körper einen glänzenden Ausdruck gab, 
durchaus preußenfeindlich war. Da nun aber Osterreich ihm 
aur Versprechungen gemacht hatte im Fall, daß er Italien be— 
ruhigte, und da ihm Preußen trotz wiederholter Anzapfungen 
überhaupt nichts versprochen hatte, so mußte er den Krieg ohne 
sicheres Ergebnis für sich herankommen sehen. Seine allzu feine 
Politik war einstweilen gescheitert. 
Da suchte er sich denn im letzten Augenblicke noch durch 
eins seiner alten Hilfsmittel, einen europäischen Kongreß, zu 
helfen. Er meinte durch dessen Berufung den Krieg vermeiden 
und zugleich für Frankreich auf deutsche Kosten im trüben 
fischen zu können. Indes lancierte er seinen Plan ohne Er— 
folg. Österreich, das Venetien in diesem Augenblick gern direkt 
in Napoleon für Italien abgetreten hätte, wünschte doch 
nicht von einem europäischen Kongreß hierzu ohne Krieg ge— 
wungen zu werden, und so nahm es am 28. Mai die Ein⸗
	        
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