166 Fünfundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel.
an den Minister Drouyn de l'Huys, das dieser am 12. Juni im
Jesetzgebenden Körper verlas, die Welt schon auf die kommenden
Annexionen vorbereitete.
Kaum mehr als einen Monat zuvor aber, am 83. Mai 1,
hatte Thiers in einer seiner berühmtesten Kammerreden von
der Ahnung her, daß Napoleon durch seinen Rat im Grunde
das Einverftändnis zwischen Preußen und Italien herbeigeführt
habe, vorausgesagt, daß in einem etwa ausbrechenden Kriege
Preußen siegen und daß das durch Preußen geeinigte Deutsch⸗
land die Geißel Frankreichs sein werde.
In Deutschland selbst aber waren die Dinge mittlerweile
rasch ins Rollen geraten. In einem jähen Wechsel der bisher
befolgten Zauderpolitik hatte man in Wien am 21. April die
Südarmee gegen Italien mobil gemacht und am gleichen Tage
wie den Erzherzog Albrecht für den Süden, so Benedek für den
Norden zum obersten Führer ernannt. Was schien es danach
noch heißen zu können, wenn eine österreichische Note an Preußen
bom 26. April ausführte, Österreich bleibe seiner Absicht getreu,
im Norden abzurüsten? Nach der Mobilisierung auch nur der
Südarmee, die ja unter Umständen auch im Norden Verwendung
finden konnte, gab es keinen Halt mehr. Selbst König Wilhelm,
der immer noch religiöse und moralische Bedenken gehabt hatte,
war jetzt entschlossen, loszuschlagen. Uber Bismarck aber, der
in seinem Leben mehr als einmal krank geworden ist, wenn er
zroße Absichten nicht durchzusetzen vermochte, schreibt Roon in
diesen Tagen: „Otto ist über dem Vorgehen Osterreichs fast
gesund geworden, hat wenigstens zwei Nächte hintereinander gut
ind viel geschlafen, und man kann hoffen, daß es bald wieder
zgut mit ihm gehen werde ...“ Am 83. Mai unterzeichnete
König Wilhelm die ersten Befehle zur Mobilisierung der Armee,
die sich zunächst auf funf Armeekorps von den neun vorhandenen
hezogen; und ihnen folgte zwischen dem 5. und 12. Mai das
Aufgebot des ganzen Feldheers.
Aber selbst in diesem Augenblicke kam es noch einmal zu
S. schon oben S. 464.