Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

468 Fünfundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
schleswig-holsteinschen Grundlage, wie sie Osterreich festhielt, auf 
das allgemeinere deutsche Gebiet nationaler Einigung zu ver— 
legen: was freilich für Preußen sehr günstig gewesen wäre. Mit 
Recht schrieb ihm der bayerische Minister von der Pfordten am 
11. Juni: „Wollen Sie die Annexion (der Herzogtümer) um 
seden Preis, auch um den des Krieges, dann ist der Krieg un— 
vermeidlich. Entschließt sich Preußen, auf die Annexion zu 
verzichten, so ist der Krieg unmöglich. Wollte Osterreich aus 
irgendeinem anderen Grunde Krieg beginnen, so bliebe es ganz 
gewiß isoliert; kommt es zum Kriege um der Herzogtümer 
willen, so, glaube ich wenigstens, wird Preußen isoliert bleiben. 
Gott ist mein Zeuge, daß mich weder Abneigung gegen Preußen 
noch Sympathie mit Hsterreich leitet. Als Deutscher bitte und 
heschwöre ich Sie, gehen Sie nochmals ernstlich mit Ihrer starken 
Seele zu Rate, ehe das entscheidende Wort gesprochen wird, 
dessen Folgen unberechenbar sind.“ 
In diesem Augenblicke aber waren die entscheidenden Er⸗ 
eignisse schon geschehen oder bis zur Entscheidung gediehen. 
Gablenz hatte die holsteinschen Stände zum 11. Juni nach 
Itzehoe einberufen. Das erklärte Manteuffel am 6. Juni für 
einen Bruch des Gasteiner Vertrages, ebenso wie die Behelligung 
des Bundestages mit der schleswig-holsteinschen Sache über⸗ 
haupt; es sei also das Kondominium Osterreichs und Preußens, 
vie es vor dem Gasteiner Vertrage bestanden, wieder ein— 
getreten; und so werde er preußische Truppen auch nach 
Holstein legen, wie Gablenz österreichische nach Schleswig legen 
dürfe. Am 7. Juni rückten demgemäß preußische Truppen in 
Holstein ein. Gablenz protestierte gegen diese Maßregel, zog 
seine kleine Brigade, viertausendachthundert Mann, zusammen 
ind verließ mit ihr am 11. Juni das Land, um nach Böhmen 
zu gelangen. Statt dessen nahm Manteuffel Holstein ein, setzte 
— 00 
der Stände. 
Darauf erklärte Osterreich am 11. Juni vor dem Bundes- 
tage den Gasteiner Vertrag als durch Preußen gebrochen und 
heantragte die Mobilmachung des ganzen außerpreußischen
	        
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