Erste Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage. 469
Bundesheeres gegen Preußen, berief weiterhin am 12. Juni
seinen Gesandten von Berlin ab und schickte dem preußischen
GBesandten in Wien seine Pässe.
In Frankfurt kam es am 14. Juni zur Abstimmung. An⸗
genommen wurde ein bayerischer Antrag, der nur allgemein auf
Mobilisierung der Kontingente der Klein⸗ und Mittelstaaten
lautete, um etwa drohende Störungen des Bundesfriedens zu
oerhindern, — also weder Preußen noch Osterreich direkt als
Objekt des Angriffs nannte.
Nach der Abstimmung aber erhob sich der preußische Ge—
sandte von Savigny und ließ sich verlauten: Preußen sähe die
beschlossene Maßregel als eine nach dem Bundesrechte unmögliche
Kriegserklärung gegen ein Bundesmitglied, mithin als einen
Bundesbruch an. Seine Majestät der König von Preußen werde
demnach den Bundestag als erloschen betrachten und behandeln,
halte aber fest an der Grundlage der nationalen Einheit und
lege deshalb die Grundzüge zu einer neuen, zeitgemäßen Einigung
noch vor, indem er sich bereit erkläre, auf dieser Grundlage
eincn neuen Bund mit den damit einverstandenen Regierungen
zu schließen. Der Gesandte vollziehe die Befehle seiner Re—
gierung, indem er seine bisherige Tätigkeit hiermit für beendet
erkläre. —
Zur Zeit des Beginnes des Krieges, Mitte Juni 1866,
waren die populären Stimmungen in Deutschland dem preußischen
Unternehmen keineswegs günstig.
In Preußen selbst verabscheute das Bürgertum allenthalben
den Krieg, am meisten in den katholisch⸗großdeutschen Gegenden
des Rheins und Westfalens; es sprach sich darüber auch all⸗
seitig deutlich in Petitionen und Beschlüssen aus; eine Aus—
nahme machten nur die Adressen, welche die Breslauer Gemeinde⸗
behörden und die Hallenser Altliberalen König Wilhelm zu—
sandten.
Auch in Süddeutschland waren die politisch interessierten
Kreise im allgemeinen preußenfeindlich, so namentlich die Demo⸗
kraten, Ultramontanen und Großdeutschen. Dagegen befanden
sich die Anhänger des Nationalvereins überall in einer ersten