Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

472 Fünfundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
den Bayern, zu suchen. Allein sie ließ sich nicht mehr durch⸗ 
führen; Kassel war schon in preußischen Händen. So beschloß 
man am 20., sich östlich über Mühlhausen auf Eisenach zu 
wenden. Auf diesem Wege gelangte das Heer am 28. nach 
Langensalza. Hier kam es nach Verhandlungen, die an Miß⸗ 
oerständnissen reich waren, am 27. Juni zu einem Treffen 
zwischen den sechzehntausend Hannoveranern und achttausend 
Preußen und Koburg-Gothaern. Die Hannoveraner siegten. Der 
Ausgang wurde wesentlich durch die schiefen Dispositionen und 
den Ungehorsam Vogel von Falckensteins gegenüber den Berliner 
Weisungen Moltkes und des Königs verschuldet. Indes war 
für die Hannoveraner trotz ihres Sieges an einen Durchbruch 
nach Süden nicht mehr zu denken. Falckenstein hatte inzwischen 
Eisenach völlig besetzt, die ganze Thüringer Bahnlinie war für 
die Preußen gesichert. So kapitulierten die Hannoveraner am 
29. Juni. König und Kronprinz erhielten freien Abzug, um 
hald nach Hietzing bei Wien zu gehen; die Offiziere versprachen 
unter Behalt von Waffen und Pferden wie unter Bewahrung 
threr Bezüge, in dem Kriege nicht weiter zu dienen; die Mann⸗ 
schaften wurden waffenlos unter dem gleichen Versprechen ent— 
assen. 
Der erste Abschnitt des westdeutschen Feldzuges war damit 
heendet: Sachsen, Hannover und Kurhessen waren erobert. 
Inzwischen hatte der Bund in Süddeutschland mobil ge⸗ 
macht. Zwei Korps waren in Bildung begriffen: unter Prinz 
Karl von Bayern das bayerische am oberen Main, unter Prinz 
Alexander von Hessen das südwestdeuts che, Württemberger, Badener, 
Hessen, Nassauer unter Verstärkung durch die österreichis che Brigade 
Neipperg, am unteren Main; doch wurde das südwestdeutsche 
Korps erst zum 80. Juni marschfertig. I 
Beide Heerführer verabredeten nach längerem Hin- und 
HZerverhandeln, sich bei Hersfeld gegen die preußische Armee zu 
bereinigen. Allein hierzu kam es nicht. Prinz Karl wurde durch 
falsche Nachrichten und eine zweimalige Aufforderung des öster⸗ 
reichischen Kaisers veranlaßt, die Werra hinabzuziehen, um den 
dannoveranern zu helfen, die inzwischen schon kapituliert hatten.
	        
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