476 Fünfundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel.
Vereinigung nicht weiter; am 16. Juli rückte Vogel von Falcken⸗
stein an der Spitze der siegreichen Truppen in Frankfurt ein,
hon wo sich inzwischen der Durchlauchtigste Bundestag nach
Augsburg geflüchtet hatte, legte der Stadt eine Kontribution
von sechs Millionen Gulden auf, übernahm durch ein Manifest
die Regierung von Oberhessen, Frankfurt und Nassau, und
telegraphierte an König Wilhelm: „Alles Land nördlich des
Mains liegt zu den Füßen Eurer Majestät.“
Am selben Tage erhielt er seine Ernennung zum General⸗
gouverneur des Königreichs Böhmen. Sie war ein Ausdruck
der großen und um vieles mehr entscheidenden Ereignisse, die
sich inzwischen im Osten vollzogen hatten.
In Osterreich verfügte man für die Nordarmee, die gegen
Preußen kämpfen sollte, über zweihundertachtunddreißigtausend
Mann, wozu noch dreiundzwanzigtausend Sachsen stoßen sollten.
Dazu kamen neunzigtausend Mann in Festungen und fünfund—
zwanzigtausend Mann zum Schutze Wiens und zur Sicherung
don Ungarn. Den Oberbefehl über die Feldarmee hatte der Feld⸗
zeugmeister Benedek übernommen. Benedek, in jüngeren Jahren
ein tollkühner Führer, 1889 mit großer Auszeichnung tätig, klar
im Mittleren und Kleinen, ein ausgezeichneter Korpsführer, aber
kein Feldherr, fühlte sich seiner Aufgabe von vornherein nicht
gewachsen und hatte den Kaiser gebeten, einen anderen General an
die Spitze zu stellen. Der Kaiser soll erwidert haben, er habe
keinen besseren. Sicher ist, daß Benedek in die verantwortungs⸗
reiche Stelle — denn viele der besten österreichischen Generäle
waren keineswegs unbedingt siegesbewußt — erst dann eintrat,
als aufs entscheidenste an seine dynastischen Gefühle und damit
den Mittelpunkt der Lebensanschauung so vieler Offiziere der
kaiserlichen Armee appelliert worden war.
Benedeks erste Absicht war nun, in Olmütz die Armee zu
konzentrieren und den Feind mitten im Lande zu erwarten. Es
war im Grunde ein Gedanke vielmehr des unfähigen tat—
sächlichen Generalstabschefs Krismanis, der noch in den Vor—⸗
stellungen der Positionsstrategie des 18. Jahrhunderts lebte.
Später nahm Benedek dann doch den Vormarsch gegen Böhmen