Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Erste Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage. 477 
auf. Er führte die Armee die Sudeten entlang auf die 
Festungen Königgrätz und Josephstadt. Damit war denn durch 
die österreichischen Pläne das Krieagstheater von Südwesten her 
begrenzt. 
Auf preußischer Seite leitete der General Moltke die 
Operationen: in seiner wissenschaftlichen Leidenschaftslosigkeit 
und ruhigen Präzision der größte Feldherr der jüngsten Zeiten: 
und diese Eigenschaften so offen an sich tragend, daß sie selbst 
der leichte Sinn der Kaiserin Eugenie schon 1856 richtig 
herausgefunden hatte: „General Moltke (oder so ähnlich) ist ein 
wortkarger Herr, aber nichts weniger als ein Träumer; immer 
gespannt und spannend, überrascht er durch die treffendsten 
Bemerkungen ... Es ist eine imponierende Rasse, die Deutschen; 
Louis sagt: die Rasse der Zukunft“. Die Aufgabe, die dem 
preußischen Generalstabschef im Anfange des Krieges zufiel, war 
nicht leicht; weit zerstreut standen um die nördlichen und öst⸗ 
lichen Grenzen Böhmens die preußischen Heeresmassen; über 
die Absichten des Gegners war man nicht unterrichtet und er— 
wartete anfangs einen Vorstoß nach Schlesien; als er nicht 
erfolgte, dachte man wohl an die eigene Initiative: aber war 
es nicht tollkühn, in konzentrischen Märschen in Feindesland 
einzubrechen und damit erst in diesem die Verbindung zwischen 
den zerstreuten Heereskörpern vorzunehmen? 
Von der preußischen Armee standen anfangs vierzigtausend 
Mann als Elbarmee einstweilen in Thüringen, bald in Sachsen 
unter General Herwarth von Bittenfeld; dreiundneunzigtausend 
Mann als erste Armee in der Lausitz, um Görlitz, unter Prinz 
Friedrich Karl; einhundertundfünfzehntausend Mann als zweite 
Armee in Schlesien unter dem Kronprinzen mit dem General⸗ 
stabschef Blumenthal. 
Es kam also jetzt darauf an, diese Armeen in Böhmen zu 
vereinigen. Als natürlichster Treffpunkt ergab sich dabei Gitschin 
und die Gegend von Gitschin suͤdwestlich. Von Görlitz läuft 
nämlich eine Straße über Reichenberg längs der böhmischen 
Seite der Sudeten über Turnau, Gitschin und Sadowa nach 
Königgrätz. Auf sie stößt bei Gitschin von Nordwesten her
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.