Erste Stufe der kleindentschen Loͤsung der Einheitsfrage. 479
Inzwischen hatte Benedek die durch die Wirkung der besseren
preußischen Taktik und des Zündnadelgewehrs entmutigten
zsterreichischen Truppen auf Josephstadt und die Gegend nörd⸗
lich und nordwestlich von Königgrätz zurückgezogen. Der erste
Gedanke war dabei, sie bis Olmütz zurückzunehmen und dort
zu ordnen. Allein nachdem der Kaiser den General Krismaniẽ
bon der Leitung des Generalstabes entfernt hatte, fand Benedek
noch einmal seinen alten Schlachtenmut: beim Durchreiten des
Geländes nordwestlich von Königgräs, zwischen Sadowa und
der Festung, entschloß er sich zur Annahme einer Defensioschlacht.
Und so nahte der 8. Juli, der Tag von Königgrätz, an dem
zweihundertundfünfzehntausend Hsterreicher und zweihundertein⸗
undzwanzigtausend Mann Preußen gegeneinander fochten: eine
der weltgeschichtlichen Schlachten des 19. Jahrhunderts. Die
Osterreicher und Sachsen wurden von den vereinigten drei
preußischen Armeen völlig geschlagen; nur Trümmer des Heeres
rettelen sich noch nach Königgrätz. Jetzt blieb nichts übrig, als
nach Olmütz zurückzugehen und Wien notdurftig zu decken.
Im preußischen Hauptquartier hatte man anfangs keine
rechte Vorstellung von der Größe des Erfolges; darum blieb
die Verfolgung zunächst lässig. Aber nach ein paar Tagen
ging man energisch vor. Am 10. Juli wurde Prag besetzt,
um die Verpflegung des Heeres durch den Besizz dieses Eisen⸗
bahnzentrums zu sichern; schon früher war mit der Hauptmacht
der direkte Marsch auf Wien aufgenommen worden: am 12. Juli
bereits wurde Brünn erreicht.
Benedek blieb infolgedessen nichts übrig, als auf Weisung
des neuen Oberbefehlshabers im Norden, Erzherzog Albrechts,
von Olmütz aufzubrechen, um die March hinab zur Deckung
Wiens und der Donau zu eilen. Allein auch das gelang nur
noch einem Teil seiner Armee. Der Rest wurde durch Heeres⸗
teile des preußischen Kronprinzen so bedrängt, daß er über
die kleinen Karpathen nach Ungarn übertreten mußte, um von
da mit einem Umwege von mehr als zwölf Meilen Preßburg
und somit die Donau zu erreichen. Und auch hier war man
noch nicht sicher. Schon war ein preußisches Korps über die