Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

182 Fünfundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
Er gestand, er habe einen großen Fehler gemacht, und er bat 
unter Drohungen um die endliche Übermittlung der preußischen 
Friedensbedingungen, um weiter verhandeln zu können. J 
Bismarck hatte unterdessen im preußischen Hauptquartier 
hart gerungen, um die Friedensbedingungen, an erster Stelle 
gegenüber Osterreich, auf jenes Maß zu reduzieren, das er für 
politisch richtig hielt. Denn die militärischen Führer waren 
hochmütig, als hätten sie die Welt erobert; und König Wilhelm 
felbst wollte aufs weitgehendste annektieren. So kam es sogar 
zwischen dem Könige und seinem getreuen Ratgeber zu sehr er⸗ 
regten Szenen; und Bismarck schilderte die Lage noch mild, 
wenn er am 9. Juli an seine Gemahlin schrieb: „Wir sind 
ebenso schnell berauscht wie verzagt; und ich habe die undank— 
bare Aufgabe, Wasser in den brausenden Wein zu gießen, und 
geltend zu machen, daß wir nicht allein in Europa leben, 
fondern mit noch drei Nachbarn.“ In einer Denkschrift an den 
König vom 24. Juli aber hat er später ausgeführt: „Der Aus⸗ 
schluß Osterreichs aus dem Bunde in Verbindung mit der 
Annexion von Schleswig-Holstein, Hannover, Kurhessen, Ober⸗ 
hessen und Nassau darf als ein Ziel angesehen werden, so groß, 
wie es bei dem Ausbruch des Krieges niemals gesteckt werden 
konnte. Wenn dieses Ziel durch einen raschen Abschluß von 
Präliminarien auf dieser Basis gesichert werden kann, so würde 
es nach meinen alleruntertänigsten Dafürhalten ein politischer 
Fehler sein, durch den Versuch, einige Quadratmeilen mehr von 
Gebietsabtretung oder wenige Millionen mehr zu Kriegskosten 
von sterreich zu gewinnen, das ganze Resultat wieder in Frage 
zu stellen.“ Und als der König mündlich gar die Frage nach 
gerechter Bestrafung besonders schuldiger Staaten erhob, mußte 
Bismarck mahnen: „sie hätten hier nicht eines Richteramts zu 
walten, sondern Politik zu treiben; Hsterreichs Rivalitätskampf 
gegen Preußen sei nicht strafbarer als der Preußens gegen Oster⸗ 
reich; des Königs und seiner Räte Aufgabe sei Herstellung oder 
Anbahnung deutsch-nationaler Einheit unter Leitung des Königs 
von Preußen.“ 
Inzwischen, nach dem Gespräche mit Goltz vom 11. Juli—
	        
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