Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

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Fünfundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
im wesentlichen folgende Punkte: Anerkennung der Auflösung des 
alten Deutschen Bundes sowie der Entwicklung einer neuen außer⸗ 
österreichischen Organisation Deutschlands, die Preußen in Form 
einer norddeutschen Union bilden wird. Die süddeutschen Staaten 
können eine international selbständige süddeutsche Union schließen; 
das Verhältnis beider Unionen zueinander regelt sich nach beider⸗ 
seitigem Einverständnis. Preußen annektiert die Elbherzogtümer. 
Zu anderen von Preußen etwa beabsichtigten Annexionen in Nord⸗ 
deutschland hatte Napoleon wiederholt erklärt, sie seien ihm gleich— 
gültig, mit Ausnahme, wie wir wissen, von Sachsen. 
Napoleon nahm am 14. Juli diese Punkte an, während 
sein Minister Drouyn de l'Hhuys sie mit den Worten quittierte: 
Maintenant il pe nous reste plus qu'à pleurer; hinzu setzte 
der Kaiser nur, sterreich solle außer Venetien in seinem Be— 
stande erhalten bleiben. Und sofort legte er diese Bedingungen 
dsterreich und Preußen vor. 
Sie fanden in Wien wie im preußischen Hauptquartier nur 
sehr bedingten Beifall: so daß Bismarck sogar den freilich bei 
dem österreichischen Mißtrauen erfolglosen Versuch machen konnte, 
mit sterreich noch einmal direkt unter Vorlegung viel günstigerer 
Bedingungen zu verhandeln. 
Da endlich, am 18. Juli, nahm man in Wien, aufs 
schlimmste schon durch den Vormarsch der preußischen Truppen 
bedrängt, Napoleons Vorschläge an, unter der einen Bedingung, 
daß bei den preußischen Annexionen in Norddeutschland Sachsen 
unversehrt bleibe: denn es hatte sich als der einzige Staat er— 
zeigt, der an Osterreichs Seite treu und wirksam ausgehalten 
hatte. Seine übrigen Verbündeten dagegen überließ Osterreich 
der Gnade des Siegers. 
Am 20. Juli erfuhr man wie in Paris so im preußischen 
Hauptquartier die Annahme der Bedingungen durch Hsterreich; 
nun schlug Bismarck einen Waffenstillstand für den 22. Juli 
vor — die Preußen waren indes bis zum Angesicht Wiens vor⸗ 
gedrungen — und zugleich, am Nachmittag des 22. Juli, be— 
gannen in Nikolsburg die Friedensverhandlungen. Sie wurden 
heschleunigt durch das immer weitere Vorrücken der Italiener,
	        
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