Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

194 Fünfundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
wurde Forckenbeck, von der gemäßigten Opposition, gewählt. 
Vor allem aber kam es jetzt zur endgültigen Bildung der 
nationalliberalen Partei aus denjenigen Liberalen, die den 
praktischen Fortschritt höher erachteten als einseitiges Kleben an 
unerreichbaren Zielen der Doktrin: Twesten, Lasker, Forckenbeck, 
aus den annektierten Provinzen bald darauf von Bennigsen, 
Miquel, Ötker wurden ihre hervorragendsten Mitglieder. Und 
so stand denn in jeder Hinsicht eine neue Grundlage versöhnlichen 
Wirkens in Aussicht. Schon am 14. August brachte die 
Regierung das Indemnitätsgesetz beim Landtage ein; Bismarck 
sprach gelegentlich seiner Erörterung die schönen Worte: „Wir 
wünschen den Frieden, weil das Vaterland ihn in diesem Augen⸗ 
blick mehr bedarf als früher, weil wir hoffen, ihn jetzt zu 
finden; wir hätten ihn früher gesucht, wenn wir gehofft hätten, 
ihn früher finden zu können.“ Bald darauf wurde das Gesetz 
mit zweihundertunddreißig gegen fünfundsiebzig Stimmen an⸗— 
genommen: dagegen stimmten im wesentlichen nur die Fort— 
schrittspartei und die katholische Fraktion unter Reichensperger. 
Darauf gelangte besonders das Gesetz über die Annexionen 
zur Erörterung, 17. August 1866. Es behandelte Hannover, 
Kurhessen, Frankfurt, Nassau, später kam noch Schleswig— 
Holstein hinzu. Das Ministerium wünschte für diese Länder 
einstweilen nur die Personalunion mit der Krone Preußen, 
um sie langsam an den neuen Zustand zu gewöhnen: das 
Abgeordnetenhaus ging darüber hinaus und beschloß vielmehr 
sofort eintretende Realunion und Einführung der preußischen 
Verfassung mit dem 2. Oktober 1867. Am 7. September 1866 
wurde die so veränderte Vorlage mit zweihundertdreiundsiebzig 
gegen vierzehn Stimmen angenommen. 
Ein neues Preußen war damit begründet: ein Preußen, 
das mit seinem Besitzstand weit mehr als der Hohenzollernstaat 
jeglicher früherer Zeiten in die westlichen Gebiete, das deutsche 
Mutterland, hineinragte und dadurch recht eigentlich erst geeignet 
wurde, als Aufnahme- und Führerstaat eines künftigen Deutsch— 
lands zu dienen. Erleichtert wurde diese Aufgabe der Zukunft 
aber schon in der Gegenwart dadurch, daß sich besonders Nassau
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.