Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

364 Fünfundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
Speisesaal groß und luftig; Möglichkeit äußerst intensiver 
Beleuchtung (Ol und Kerzen); ein paar gute Gemälde. Daneben 
behagliche Konversationsräume. In einem der Weihnachtsbaum, 
eine prächtige, völlig unbehängte Tanne. Besonders gemütlich 
ein Raum neben dem Eßzimmer, darin eine Ecke mit behäbigem 
Stuhl und Ledertamburin davor: hier wird der Fürst nach 
dem Essen ruhen und um ihn herum ein Teil der Gesellschaft 
sitzen, lesen, sprechen, während andere Gruppen für sich bilden 
— 
Der Fürst erscheint. Völlig aufrecht, einen Stock spielend 
in der Hand. Feste fleischige Hände, wie ich nachher bemerke 
von enorm starker Handwurzel. Die Finger dagegen zierlich: 
Löwenanlage anmutig endend. Das Gesicht rosig, ziemlich 
fleischig, nichts von den schlaff hängenden Muskeln der Achtzig— 
jährigen, trotz tiefster Runzeln. Wunderbar noch heute das 
Auge, namentlich wenn es hervorquellend geradeaus firxiert, 
tiefblau, undurchdringlich, infolge der schweren Säcke darunter 
noch mehr hervortretend. Wunderbar auch die Stirn mit ihren 
mählich verlaufenden Buckeln, die eine tiefe, nach der Nase 
ziehende Furche trennt. Die ganze Gesichtsmuskulatur sehr 
beweglich, ausdrucksfähig, das Mienenspiel noch ganz in der 
Herrschaft des Fürsten. Am eigenartigsten eine Muskelstellung 
kurz vor schlagenden Bemerkungen: konvergierende Augen, die 
gleichsam mit dem vorderen vorgezogenen Teile des in den 
Winkeln zuckenden Mundes nach einem Punkte zielen; dabei 
oiel Wohlwollen und nicht die geringste Spur der Erwartung 
eines Effektes. Darauf, nach erzielter Wirkung, schlagendes 
Lachen gleich dem eines unbeteiligten Dritten. Die Sprache 
langsam, auch bei Erzählungen mit vielen Spuren des Über—⸗ 
legens, aber ohne jeden Flicklaut, außer einem explosiven O 
unmittelbar vor Beginn einer neu einfallenden Gedankenreihe. 
Das Organ sonor mit fast noch allen Nebentönen; Aussprache 
von harmonisch-nasalem Charakter, wie nicht selten bei älteren 
Franzosen. Die Betonung stets laut, die Sprachhaltung sicher, 
—D 
brechen.
	        
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