Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

302 Fünfundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
in und nach den Wechselfällen des Krieges von Österreich und 
Preußen besser respektiert werden würde als von Frankreich. 
„Die Herren haben selbst das Gefühl, daß die Kleinstaaterei 
mit ihrer heutigen hochgeschraubten Souveränität für Deutsch— 
land ein Übel, den französischen Interessen aber nicht nachteilig 
ist . . . Angesichts dieser naheliegenden Erwägungen gehört für 
die süddeutschen Staaten ein sehr hoher Grad von Bundes— 
patriotismus dazu, wenn sie ihre Thermopylen am Rhein 
machen oder nötigenfalls die Wiedereroberung ihrer Länder im 
preußisch-österreichischen Lager abwarten sollten; sie werden in 
der Gefahr nach dem Sprichwort handeln, daß das Hemd 
einem näher ist als der Rock, das eigene Land näher als der 
Bund; sie werden beizeiten in Paris direkte Garantien zu er⸗ 
halten suchen, vielleicht sogar Aussicht auf Gewinn. Frank— 
reich kann Württemberg und Bayern versprechen, ihnen Baden 
—EDD— 
des deutschen inneren Grenzwesens lockend erscheinen lassen. 
Aber schon der Erhaltungstrieb allein weist die kleineren 
Souveräne gegenüber dem Mißbehagen, mit welchem die Viel— 
herrlichkeit Deutschland erfüllt, auf außerdeutsche Anlehnung 
hin, und in den höchsten Kreisen von Paris hat man leicht 
den Eindruck, daß diese Anlehnung dort, wenn nicht schon ge⸗ 
funden ist, doch gesucht wird, und daß Frankreich nicht glaubt, 
in einem deutschen Kriege die volle Bundesarmee gegen sich zu 
haben.“ Aus solchen Betrachtungen her hatten nun die Re— 
gierungen der Südstaaten nichts mehr gefürchtet als eine poli— 
tische Übereinstimmung zwischen Frankreich und Preußen. Wie 
froh waren sie daher, als sie sahen, diese Furcht sei gegen— 
standslos und Preußen vielmehr für sie gegen Frankreich auf 
der Wache. Es war eine Position, die Preußen bei den Friedens⸗ 
schlüssen gegenüber den Südstaaten sehr zugute kommen mußte. 
Die meisten Südstaaten hatten schon nach Nikolsburg 
Vertreter zu Friedensverhandlungen gesandt; Bismarck hatte 
sie aber, teilweise sogar sehr schroff, zurückgewiesen und auf 
später vertröstet. Es kam damals eben alles darauf an, rasch 
mit Osterreich abzuschließen, ehe sich europäische Schwierigkeiten
	        
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