Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Zweite Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage. 505 
Nun waren die süddeutschen Staaten in den Schutz— und 
Trutzbündnissen mit Preußen die Verpflichtung eingegangen, 
ihre militärischen Kontingente tunlichst auf preußischen Fuß zu 
bringen. Zu gemeinsamem Vorgehen in dieser Richtung regte 
Hohenlohe jetzt militärische Konferenzen der Staaten unter⸗ 
einander an; und diese fanden am 83. bis 5. Februar 1867 zu 
Stuttgart statt. Ihr Ergebnis hatte finanzielle Folgen, so daß 
deren Erörterung vor die Landtage gebracht werden mußte. 
Bei dieser Gelegenheit wurde nun zunächst die Existenz der 
bisher geheimgehaltenen Schutz- und Trutzbündnisse bekannt, und 
so publizierte sie nunmehr Bismarck, am 19. März 1867. Sie 
erregten allgemeine Befriedigung um so mehr, als man sich 
eben damals von Frankreich in der Luxemburger Sache, von der 
bald zu erzählen sein wird!, von neuem bedroht sah. Hohenlohe 
aber glaubte, jetzt auch noch über die bestehenden Abmachungen 
hinaus für die Sicherheit Bayerns und Süddeutschlands sorgen 
zu müssen und damit zugleich die Sache des gesonderten Süd⸗ 
bundes fördern zu können. Er sandte im April 1867 den 
Grafen Tauffkirchen nach Berlin und Wien. Tauffkirchen 
sollte einen Dreibund des Norddeutschen Bundes, des zu be⸗ 
gründenden Südbundes und Osterreichs gegen Frankreich zu 
defensiven Zwecken anregen. Und da stellte sich denn heraus, 
daß zunächst Bismarck dem Gedanken nicht entgegentrat, wohl 
aber die Ausdehnung auf Rußland oder wenigstens die Kenntnis⸗ 
nahme Rußlands vom Bestande des Bundes wünschte. Bei 
den damals bestehenden überaus freundlichen Beziehungen 
wischen Preußen und Rußland erschien ihm das eigentlich 
als selbstverständlich. Im übrigen aber opponierte er nicht, 
vermutlich, weil er wußte, daß die Mission Tauffkirchens in 
Wien scheitern würde. Dies war nun in der Tat auch der 
Fall. Der österreichische Kanzler Beust war damals schon längst 
der festen Absicht, sich mit Frankreich zu verbinden, um mit 
ihm gemeinsam die Ereignisse von 1866 ungeschehen zu machen. 
Er wies den Grafen Tauffkirchen ab. 
S. unten S. 518 ff. 
Lamprecht, Deutsche Geschichte. XI, 2.
	        
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