Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

514 Fünfundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
wohltätigen geschieden. Es war ein rapider Gang der Gesetz⸗ 
gebung, der dem Großherzog doch Bedenken erregte. Wieder⸗ 
holt hat er ihm gegenüber die Aufnahme in den Nordbund 
nachgesucht, übrigens unter der Initiative und dem Beifall eben 
der Liberalen selbst. Aber ohne Erfolg. Bismarck hat in dieser 
Zeit einmal geäußert, er wolle den Rahm nicht von der Milch 
abschöpfen, damit der Rest nicht sauer werde: er wußte wohl, 
daß Bayern und Württemberg schwerer für die deutsche Ein— 
heit zu haben sein würden, wenn man Baden vorzeitig auf—⸗ 
aähme. 
Sucht man aber nach einem nächsten tieferen Grund, der 
überall fast in Süddeutschland den Fortschritt des Einheits— 
gedankens unter preußischer Führung hinderte, so kann man 
kaum umhin, auf den Klerikalismus zu geraten. Er war ein 
Feind der jungen Einheit, noch ehe diese pöllig geschaffen war. 
Und es war kein Zweifel, daß die klerikalen Tendenzen in Süd⸗ 
deutschland von 1866 bis 1870 im ganzen zunahmen. Wie 
mußten sie erst steigen, wenn erst einmal die Unfehlbarkeit von 
Rom aus verkündet war! 
Wie dem aber auch sein mochte: sicherlich war es hohe 
Zeit, daß die deutsche Einheit unter Dach gebracht wurde. Da 
half in diesem Moment noch einmal der Mann, der sich um 
das Deutschland des 19. Jahrhunderts ohne seinen Willen und 
unbewußt die größten Verdienste erworben hat, Napoleon. Der 
deutsch-französische Krieg brachte die langersehnte Einheit.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.