Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

316 Fünfundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
stand, in Vichy, wo er krank darnieder lag, zu einer Note 
hestimmen, worin er Preußen zur Eingehung des folgenden 
Vertrages aufforderte: Preußen sollte die 1815 von Frankreich 
abgerissenen Landesteile, Saarbrücken und Landau, an dieses 
zurückgeben; Bayern und Hessen sollten ihre linksrheinischen Be⸗ 
sitzungen an Frankreich abtreten; alle Verbindung Luxemburgs 
und Limburgs mit dem Deutschen Bunde sollte aufgehoben sein. 
Der französische Gesandte Benedetti, der diese Forderungen 
in Berlin geltend zu machen hatte, tat das nur mit einem 
gewissen Grauen vor Bismarck, dessen Exregbarkeit er kannte. 
Die Antwort war denn auch sehr einfach: Krieg, unter Mobil⸗ 
machung aller nationalen deutschen Gefühle gegen Frankreich, 
wenn nicht der Vorschlag sofort zurückgezogen würde. 
Darauf erklärte Napoleon, ungerüstet, wie er war, die 
Forderungen des 29. Juli am L1. August für ein Mißverständnis, 
in das er in seiner Krankheit durch Drouyn de l'Huys verwickelt 
worden sei, und entließ den Minister. In Berlin aber wußte 
man, wessen man sich von Frankreich zu versehen hatte. 
In Paris beruhigte man sich aber auch jetzt noch nicht. 
Am 20. August 1866 erschien Benedetti vor Bismarck mit einem 
neuen Vorschlag: Schutz- und Trutzbund Preußens und Frank— 
reichs; an Frankreich sollten Landau und Saarbrücken, ferner⸗ 
hin Belgien fallen. 
Bismarck richtete sich auf Benedettis Mitteilung sofort 
hoch auf und erklärte von neuem, von Abtretung deutschen 
dandes könne keine Rede sein. Wegen Belgiens allerdings, 
meinte er, könne man verhandeln. Benedetti ließ sich arglos 
darauf ein und überreichte schließlich am 29. August das schrift— 
liche Konzept eines eventuellen Vertrags zwischen Preußen und 
Frankreich über diesen Punkt. Es war das Aktenstück, das 
Bismarck nachmals im Jahre 1870, in entscheidenden Stunden 
des deutsch-französischen Krieges, durch die „Times“ hat ver— 
zffentlichen lassen. Im übrigen aber hielt Bismarck den franzö⸗ 
sischen Gesandten hin, bis, am 28. August, der definitive Friede 
mit sterreich geschlossen war. Vergebens wartete man daher 
in Frankreich auf die preußische Zustimmung zu dem Bene—
	        
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