Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Zweite Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage. 517 
dettischen Vertrage, trotz eines großen Runds chreibens Napoleons 
in dieser Sache vom 16. September: es zeigte sich, daß von 
Preußen ohne Gewalt nichts zu erlangen war. 
Napoleon beschloß nun seine Kompensationen“ anderswo 
zu suchen. Dem Könige der Niederlande, der stark überschuldet 
war, wurde plausibel gemacht, er solle das Großherzogtum 
Luxemburg, das mit den Niederlanden in Personalunion ver⸗ 
hbunden war, aber eine preußische Besatzung hatte, an Frank⸗ 
reich verkaufen. 
Die Erbitterung, welche die Nachricht von diesem Handel 
in Deutschland hervorrief, war allgemein. Viele rieten zum 
Kriege mit Frankreich; die Schutz⸗ und Trutzbündnisse, die 
Preußen mittlerweile mit den deutschen Südstaaten geschlossen 
hatte, wurden veröffentlicht; in Holland warb der Exkönig von 
Hannover eine Legion gegen die deutschen Interessen an: der 
Ausbruch des Kampfes schien nur eine Frage der Zeit. 
Aber Bismarck gelang es noch einmal, das Wetter zu be⸗ 
schwören: er brauchte noch einige Jahre Zeit, um die deutsche 
Verfassung auszubauen, ehe der schon unvermeidliche Krieg mit 
Frankreich ungestört verlaufen konnte. Auf eine Interpellation 
hon Bennigsens im Reichstage, am 1. April 1867, erwiderte 
er, Luxemburg sei durch den Londoner Teilungsvertrag von 
1889 unter die Garantie der Großmächte gestellt, die Frage 
sei also eine europäische. Auf diese Art brachte er die An— 
gelegenheit auf den diplomatischen Weg; zugleich erschrak der 
König von Holland vor dem allgemeinen Unwillen, den der 
beabsichtigte Landschacher hervorrief. Und so wurde auf der 
Konferenz der Gesandten der Großmächte zu London über diese 
Frage, die vom 7. bis 11. Mai 1867 stattfand, eine Ver⸗ 
ständigung erreicht. Frankreich trat von der Erwerbung Luxem⸗ 
burgs zurück, Preußen gab das Besatzungsrecht der Festung 
Luxemburg, das es noch gewohnheitsmäßig aus den Zeiten des 
Bundes her ausübte, auf, die Festungswerke sollten geschleift 
werden. Das Ländchen selbst blieb im deutschen Zollverein, 
wurde aber im übrigen unter Gewährleistung der Großmächte 
neutralisiert.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.