320 Fünfundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel.
reichischen Reichskanzlers, führte die Sache nicht weiter; es
blieb bei einem Briefwechsel zwischen Kaiser und König über
den möglichen Nutzen einer Allianz. Mit gsterreich dagegen
kam Napoleon besser ins Einvernehmen. Dem Besuche Napoleons
in Salzburg vom Jahre 1867 waren persönliche Korrespondenzen
beider Monarchen gefolgt; sie hatten im Juni 1809, wie es
schien, zu einem Kriegsbündnis beider Reiche geführt. Im
Februar 1870 war dann der Erzherzog Albrecht, der Oberst⸗—
fommandierende in OÖsterreich, nach Paris gegangen, um einen
Feldzugsplan zu verabreden, wie Napoleon darauf im Mai
den General Lebrun zu gleichem Zwecke nach Wien schickte; es
war dabei auf die Einnahme zunächst Süddeutschlands ab—
gesehen, wenn sich auch sterreich, indem es die Langsamkeit
seiner Mobilmachung betonte, vorbehielt, erst nach Frankreich
in Aktion zu treten. Für den Ausbruch des Krieges endlich
wurde das Jahr 1870 bestimmt; alles schien bereit; nur der
Anlaß zum Losschlagen ließ noch auf sich warten.
Er fand sich, mitten im tiefsten Frieden, während in
Deutschland alle Staatsmänner und wichtigen Generäle auf
Urlaub weilten, während König Wilhelm in Ems badete. Und
er ward gefunden in einer zunächst rein dynastischen, hohen⸗
ollernschen Sache.
Im September 1868 war die Königin Isabella II. von
Spanien vom Throne vertrieben worden. Seitdem krankte
Spanien an inneren Wirren; die Frage, ob Republik, ob
Monarchie, konnte längere Zeit nicht zum Entscheid gebracht
werden. Schließlich, seit Juni 1869, siegte der Gedanke der
Monarchie. Nun galt es einen Monarchen zu suchen. Man
konnte zunächst an Alfonso denken, den Sohn Isabellas, dann
an den Herzog von Montpensier, einen Sproß des Hauses
Orleans, das in Spanien einmal geherrscht hatte, endlich an
den König von Portugal. Daneben kamen im Laufe der Zeit
auch noch andere Kandidaten in Frage: der Herzog Amadeus
von Aosta, Prinz Friedrich Karl von Preußen, ein öster—
reichischer Erzherzog, ein sächsischer Prinz. Aber Napoleon
mischte sich alsbald auch in diese Angelegenheit; vor allem