Zweite Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage. 525
Wilhelm Garantien forderte, daß der Zwischenfall sich nicht
wiederhole. In diesem Sinne handelte dann Gramont gegen—
uͤber dem Könige — auf wessen Einfluß hin, ist auch heute noch
nicht völlig sichergestellt, läßt sich aber, da Gramont vor Ab⸗
schluß der entscheidenden Formulierung in St. Cloud war, leicht
erschließen. Schon gegen Abend des 11. Juli hatte er Bene—
detti die Weisung gegeben, er solle vom Könige verlangen, daß
er dem Prinzen verbiete, an der Kandidatur festzuhalten. Als
dann der Verzicht des Prinzen in Paris bekannt geworden
war, telegraphierte er, 12. Juli sieben Uhr abends, an Bene⸗
detti: „Pour que cette renonciation produise tout son effet.
il parait nécessaire que le roi de Prusse s'y associe, ot
nous donpe l'assuranee, qu'il n'autoriserait pas de nouveau
cette candidature.“
Uber das nun Folgende besitzen wir die authentischen Nach⸗
richten König Wilhelms selbst. Er berichtete vom 13. Juli
morgens in Ems: „Graf Benedetti fing mich auf der Promenade
ab, um auf zuletzt sehr zudringliche Art von mir zu ver⸗
langen, daß ich für alle Zukunft mich verpflichtete, niemals
wieder meine Zustimmung zu geben, wenn die Hohenzollern auf
ihre Kandidatur zurückkämen. Ich wies ihn, zuletzt etwas ernst,
zurück, da man à tout jamais dergleichen Engagements nicht
nehmen dürfe noch könne.“ Später beschloß dann der König
mit Rücksicht auf diese Zumutung, den Grafen Benedetti nicht
mehr zu empfangen, und ließ ihm durch einen Adjutanten mit⸗
teilen, daß Seine Majestät dein Botschafter nichts weiter zu
sagen habe.
Die Nachricht von diesen Vorgängen erhielt Bismarck, der
inzwischen aus Varzin nach Berlin zurückgekehrt war, am
18. Juli abends sechs Uhr mit dem Zusatz: Seine Majestät
stellt Eurer Exzellenz anheim, ob nicht die neue Forderung
Benedettis und ihre Zurückweisung sogleich sowohl unseren
Daneben noch die Aufzeichnungen Benedettis, Ma mission en Prusse,
S. 371 ff., die sich mit den Mitteilungen des Königs, abgesehen von Kleinig—
keiten, decken.