Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

536 Fünfundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
wie ein sturmfreies Glacis gegen die steile und tiefgründige 
Schlucht von Gravpelotte abfällt. Hundertachtzigtausend Mann 
hatten gegen hundertachtzigtausend Mann gekämpft; bei gleichen 
Kräften sahen sich die Franzosen schließlich aus ihrer so vorteil— 
haften Stellung vertrieben; ihre Einschließung in Metz war 
besiegelt. Aber über zwanzigtausend Deutsche, darunter neun— 
hundert Offiziere, deckten die Walstatt; und auf dreiundzwanzig 
Mann kam ein kampfunfähiger Offizier, während im Kriegsetat 
durchschnittlich ein Offizier auf vierzig Mann gerechnet war. 
Die deutsche Heeresleitung aber hatte schon am 18. August 
morgens elf Uhr die Konsequenzen der sich entwickelnden Lage 
gezogen. Dem Prinzen Friedrich Karl waren hundertfünfzig⸗ 
tausend Mann zur Belagerung von Metz zugeteilt worden; Kron— 
prinz Albert von Sachsen erhielt das Kommando über achtzig— 
tausend Mann zum Vorgehen nach Westen über die nördliche 
Hälfte des Maasabschnittes; im Süden hatte inzwischen die 
unter dem Kronprinzen stehende Dritte Armee die andere Hälfte 
dieses Abschnittes erreicht, und ihre Reiterei streifte schon bis 
zur Marne, bis Chalons und Vitry. 
In Chaͤlons war unterdessen Napoleon eingetroffen und 
hatte an Mac Mahon das Kommando über eine Armee über⸗ 
tragen, die dort aus versprengten Resten der früheren Armee 
Mac Mahons, aus Marineregimentern und anderen Truppen 
gebildet worden war. Da Mac Mahon diese Armee in ihrem 
rechten Flügel schon durch die anmarschierende Dritte deutsche 
Armee bedroht sah und zugleich darüber klar war, daß diese 
ihren Marsch unmittelbar auf Paris nähme, so wollte er mit 
seiner Armee rückwärts gehen und vor Paris eine Schlacht 
wagen. Allein von der Pariser Regentschaft geltend gemachte 
politische Bedenken, nicht minder das Gefühl, die Metzer Armee 
entsetzen zu müssen, trieben ihn schließlich in andere Richtung. 
Er war inzwischen nach Reims marschiert; am 28. beschloß 
er, unvermittelt und den Einzelstellungen seiner Truppen nach 
unvorbereitet, Bazaine von Norden her zu Hilfe zu kommen. 
Es war ganz die vom deutschen Generalstab gewünschte 
Richtung: von jeher hatte Moltke sich mit dem Gedanken ge—
	        
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