Zweite Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage. 548
nach Süden weisende zu lösen. Denn einmal konnte von hier
aus das Pariser Einschließungsheer am gefährlichsten angegriffen
werden, weil jedes erfolgreiche Vordringen alsbald das im
Süden von Paris, in Versailles, untergebrachte Hauptquartier
und den sich bildenden Pariser Belagerungspark in Villacoublay
bedrohte. Außerdem aber waren im Süden nach der Einnahme
von Orleans durch von der Tann ganz neue, den Deutschen
an Zahl sehr überlegene französische Heereskräfte erstanden, die
für später dazu bestimmt waren, in breitester Front zentripetal
auf Paris vorzudringen. Zunächst freilich suchte eine Armee
unter d'Aurelle de Paladines vor allem Orleans wiederzu⸗
gewinnen, das noch immer im Besitze von der Tanns war.
Es gelang am 9. November; in einem Treffen bei Coulmiers,
in dem siebzigtausend Franzosen gegen zwanzigtausend Deutsche
standen, wurde von der Tann bis auf Artenay zurückgedrängt;
und d'Aurelle besetzte Orleans, übrigens ohne sich einstweilen
viel weiter zu regen.
Um so lebhafter suchten die Franzosen im Nordosten von
Orleans, am oberen Loir und an der Eure, vorwärts zu ge—
langen. Es mußte gegen diesen Andrang eine besondere deutsche
Heeresabteilung unter dem Großherzog von Mecklenburg ge⸗
bildet werden, die zunächst bis Nogent le Rotrou vorging und
den Weg nach Chateaudun und Vendome einschlug, dann aber,
am 22. November, als rechter Flügel an jene Zweite Armee
herangezogen wurde, die mittlerweile, nach der Kapitulation
von Metz am 27. Oktober, unter Prinz Friedrich Karl zum
allgemeinen Vorgehen gegen die französischen Streitkräfte des
Südens gebildet worden war. Denn in derselben Zeit etwa,
da der Großherzog dem Befehl des Großen Hauptquartiers
folgte, am 28. November, erhielten die Franzosen, wie sie in
einer Stärke von ungefähr zweihunderttausend Mann um
Orleans standen, von Tours her den Befehl, zum Entsatze von
Paris vorzurücken; und zwar sollten sie, da man die direkte
Straße besetzt sah, den Umweg über das östlicher liegende
Fontainebleau nehmen. Auf diesem Wege erreichten sie am
38. November Beaune⸗la-Rolande. Hier stießen sie auf schwache