544 Fünfundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel.
Truppenabteilungen des Generals von Voigts-Rhetz in der
Höhe von elftausend Mann; sie griffen sie mit sechzigtausend
Mann an; aber es gelang ihnen nicht, sie zu werfen. Nun
beschlossen sie, den linken Flügel an der direkten Straße von
Orleans nach Paris vermöge einer Rechtsschwenkung mehr vor—
zunehmen. Allein auch bei dieser Bewegung stießen sie links
des direkten Weges, in der Höhe etwa von Artenay, auf
Deutsche. Es kam am 2. Dezember zu der Schlacht von Loigny⸗
Poupry, deren Ergebnis das Stillestehen der französischen Be—
wegung auch auf diesem Flügel war.
Inzwischen aber hatten die Pariser Heerführer die Ankunft
der Loirearmee aufs lebhafteste erwartet. Nachdem sie am
30. Oktober einen schließlich mißlungenen Sturm auf Le Bourget,
östlich von Saint Denis, im Norden der Stadt unternommen
hatten, — ein Vorgang, der die schlimmsten Exzesse der öffentlichen
Meinung in Paris zur Folge hatte: schon schrie man Vive la
commune! und eine Zeitlang sah sich die Regierung in der
Gewalt des Pöbels: — ergriffen sie die Nachrichten vom Nahen
der Loirearmee mit um so sanguinischeren Hoffnungen als An—
laß eines neuen großen Ausfalls. Er ergoß sich, unter leb—
haften Scheinausfällen in fast allen Richtungen der Umfassungs⸗
mauer, nach Osten zu in die von der Marne umflossene Halb⸗
insel von Joinville, von der aus man dem von Fontainebleau
erwarteten Entsatzheer die Hand bieten wollte; er umfaßte die
Tage vom 30. November bis zum 2. Dezember — und er war
vergeblich. Während man in Tours, infolge eines Miß—
verständnisses, schon die bevorstehende Vernichtung der Deutschen
verkündete, zog sich die Pariser Armee, um zwölftausend Mann
an Gefangenen, Verwundeten, Toten verringert, wiederum in
die Stadt zurück. Der nachdrücklichste überhaupt zur Befreiung
unternommene Versuch war damit gescheitert. Und schon in
gewissem Sinne besiegelt wurde das Schicksal der Hauptstadt
durch den Befehl des Großen Hauptquartiers, der am Tage
des Rückmarsches der Pariser Armee, am 2. Dezember mittags,
dem Prinzen Friedrich Karl aus dem Hauptquartier von
Versailles zuging. Danach sollte der Prinz nunmehr die Offen—