Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Zweite Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage. 545 
sive gegen Orleans ergreifen. Noch am gleichen Tage ergingen 
seine Befehle in diesen Sinne. Als Ergebnis einer Schlacht 
der beiden nächsten Tage (3. und 4. Dezember) fiel darauf 
Orleans den Deutschen von neuem zu, während die französische 
Armee, in drei Stücke zersprengt, westlich, südlich und teilweise 
auch östlich von Orleans auseinanderstob. 
Von nun ab wurde es zur deutschen Aufgabe, Orleans 
zu halten und diese Stellung durch vorgetriebene Truppenteile 
hor weiteren Angriffen zu sichern. Dementsprechend ging die 
sechste Kavalleriedivision südlich bis Vierzon vor, das bis zum 
14. Dezember besetzt blieb; ihr gegenüber standen nur die süd⸗ 
wärts geflohenen, völlig aufgelösten Reste der Loirearmee, die 
nicht wieder vorwärts getrieben werden konnten; denn selbst 
Gambetta mußte nach ihrer Besichtigung es aussprechen: „O'est 
encore ce que j'ai vu de plus triste.“ Schweren Stand 
dagegen hatte der Großherzog von Mecklenburg, der den nach 
Westen ausgewichenen Resten nachdrängte, die unter dem 
tüchtigen General Chanzy standen. Sehr bald hatte Chanzy 
sein Heer reorganisiert, und nur unter Zuziehung weiterer 
starker Truppenmacht von Orleans her gelang es, ihn über 
Vendome bis auf Le Mans zurückzudrängen. 
Nachdem dies aber geschehen war, schien dann selbst das 
weiteste südliche Glacis von Paris auf längere Zeit vor feind⸗ 
lichem Angriff gesichert; und es war an der Zeit, den aufs 
äußerste angestrengten Truppen eine Ruhe zu gönnen, die nach 
den Weisungen aus Versailles nur durch kräftige Offensive auf 
kurze Entfernungen zu unterbrechen war. Die Zweite Armee 
nahm darum bequeme Quartiere an der Loire mit dem Mittel⸗ 
punkt Orleans, die Abteilung des Großherzogs von Mecklen⸗ 
bura lagerte zuerst am Loir, dann in der Richtung auf Chartres. 
Inzwischen aber hatten auch die Entsatzversuche von Norden 
her starke, wenn auch im Verhältnis zu denen im Süden immerhin 
geringere Beschwerden verursacht. Dem Fall von Metz war 
aum 15. Oktober die Einnahme von Soissons vorausgegangen, 
während schon vorher die sächsische Kavalleriedivision verstreute 
Franktireurs und Mobilgarden bei Amiens zurückgetrieben
	        
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