Erste Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage. 369
1800 aus und von kulturgeschichtlichen Motiven her —
nicht erst recht historisch?
Der ersten Periode des Subjektivismus war es nicht ge⸗
geben gewesen, sich alsbald politisch auszuwirken. Von Empfind⸗
samkeit und Sturm und Drang herkommend, in Klassizismus
und Romantik verlaufend, gehört ihre große Geschichte inner⸗
lich wesentlich unpolitischen Zusammenhängen und Lebens—
gebieten an. Gewiß schloß das, im längeren Verlaufe der
Entwicklung, nicht das lebhafteste nationale, vaterländische Ge—
fühl aus, wenn dies durch besondere Umstände erfordert wurde:
in welchem Enthusiasmus sind Freiheitsliebe und National—
gefühl in den Zeiten der großen Kämpfe gegen Napoleon empor⸗
gelodert! Allein die nachhaltige politische Wärme, die tiefere
Gärungen erzeugt hätte, fehlte; es kam kaum zu einem natio—
nalen Staatsideal des Subiektivismus, geschweige denn zu
dessen Verwirklichung, und die vierziger Jahre brachten zwar
eine politische Bewegung, aber ihr Ziel ging auf die Durch—
führung des staatlichen Ideals des Liberalismus, und dies Ideal
war zu nicht geringem Teile ein noch individualistisches, also
an sich schon veraltetes, und entbehrte auch nicht fremder
Bestandteile. So lag es denn in der Ratur der Dinge, wenn
seine Verwirklichung nicht bloß äußerlich scheiterte: die Ansicht
vieler Zeitgenossen schon der fünfziger Jahre ging vielmehr
dahin, daß sie auch innerlich mißlungen sei, insofern es sich
darum gehandelt hatte, den Staat nicht einer Kultur des In⸗
dividualismus, sondern vielmehr einer Kultur des Subjektivismus
als zeitgemäß zu erstreben.
Konnte man sich bei diesem Mißlingen jedenfalls beruhigen?
Immer wieder, trotz alles Verfalls der subjektivistischen Kultur
der ersten Periode in den fünfziger und sechziger Jahren, be—
gehrte wenigstens die öffentliche Meinung von neuem auf und
rief nach Einheit und Freiheit: nach dem Abschluß der großen
Kulturentwicklung des letzten Jahrhunderts in einem ihrer
würdigen, mindestens ihr konformen Staate.
Da wurde denn entscheidend, daß dieser Staat ihr schließlich
doch nicht nach ihrer innersten Meinung, sondern nur aus der