III.
Schon nach den ersten großen Kriegserfolgen standen zwei
Ziele des Kampfes in deutschen Herzen fest: die Wiedergewinnung
des Elsasses und Lothringens und, in irgendeiner Form, die
Begründung eines einheitlichen Bundesstaates aller krieg—
führenden deutschen Staaten: also die kleindeutsche Lösung des
Einheitsproblems. Während aber das erste Ziel erst durch den
Friedensvertrag erreicht wurde, war die neue deutsche Einheit
schon während der kriegerischen Ereignisse zu vollem Abschluß
herangereift.
Die Sympathien der Nation und die innige Mitarbeit der
öffentlichen Meinung für das Einheitsideal zu erwecken, war
dabei nicht erst notwendig: wie früh haben nicht Zeitungen
und Zeitschriften, Verbände und Versammlungen von dem nun
endlich gesichteten Ziele geredet. Bei dieser Lage kam es, um
konkrete Ergebnisse zu erreichen, vor allem auf die Fürsten an:
denn von jeher war das Ideal des gemäßigten Patriotismus
die Verbindung des Volkswillens mit dem freien Einheitswillen
der Fürsten gewesen. Und von König Wilhelm von Preußen,
nunmehr dem unbestrittenen Meister der deutschen Geschicke,
wußte man, daß er die Führung der Nation formell nie über⸗
nehmen werde, es sei denn, daß ihn seine fürstlichen Vettern
auf deutschen Thronen zu ihr beriefen.
Sah man sich nun aber im Sommer 1870 unter der
deutschen Fürstenwelt um, so stand von vornherein die Zu—
stimmung der kleinen Souveräne des Norddeutschen Bundes zu
einer Erweiterung dieses Bundes auf die süddeutschen Staaten
fest. Aber auch der König Johann von Sachsen, der Herrscher
des einzigen größeren Staates im Norddeutschen Bunde außer