Zweite Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage. 557
und er war keineswegs gewillt, dieser Wurde durch Uübernahme
allgemein deutscher Pflichten, so wie er die Dinge ansah, „etwas
zu vergeben“.
Dies war die Lage; und in ihr bedurfte es der ganzen
diplomatischen Geschicklichkeit Bismarcks und des Ministers
Delbrück, seines unermüdlichen Mitarbeiters in dieser Sache,
um ein günstiges Ergebnis herbeizuführen: trotz aller vorwärts
weisenden Stimmungen des Volkes.
Die ersten Gedanken über eine künftige Einheit hatten sich
natürlich alsbald mit den ersten großen Siegen eingestellt; und
sie reiften bis zu einem gewissen Grade um so früher, als man
nach Sedan vielfach, auch in den leitenden militärischen Kreisen,
an einen raschen Schluß des Krieges glaubte. So überreichte
denn der Kronprinz Friedrich Wilhelm dem Fürsten Bismarck
schon am 14. August eine Denkschrift zur Sache der künftigen
SFinheit; und bereits am 22. August sondierte Bismarck beim
Kronprinzen Albert von Sachsen, ob die Frage der Bundes⸗
erweiterung auf Süddeutschland nicht in einem Fürstenkongreß
während des Feldzuges zu lösen sein würde, auf französischem
Boden, wo so manche deutsche Bedenken von selbst würden
schweigen müssen. Mit den Fürsten aber ging sogleich die
Nation vorwärts. In München, in Stuttgart und Karlsruhe
wurden die dem Anschlusse an den Norden günstigen Kreise
durch die Tätigkeit Laskers und Forckenbecks, der wichtigsten
liberalen norddeutschen Parlamentarier, bewegt und erweitert.
Dann, am 2. September, ergriff der Großherzog von
Baden eine erste wirkliche Initiative: er erbat bei dem Nord⸗
deutschen Bunde den Eintritt seines Landes, die Erweiterung
des Bundes auf ganz Süddeutschland, die Annahme des
Kaisertitels durch den König von Preußen. Darauf erging am
12. September von Bismarck eine generell zustimmende Ant⸗
wort: aber die Initiative müsse von den süddeutschen Re—
gierungen überhaupt ausgehen.
So ging denn die Reihe, zu handeln, an Bayern vor
allem und an Württemberg über — denn Hessen konnte man
Ils eines Sinnes mit Baden betrachten. Die Initiative wurde