558 Fünfundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel.
von Bayern ergriffen. Graf Bray, der führende bayerische
Minister, der die Einheitsfrage nüchtern von grundsätzlich
bayerischem Standpunkte aus ansah, fand die Zustimmung König
Ludwigs zu Vorschlägen, in denen die bayerische Selbständigkeit
bei allgemeiner Neigung, in den Bund einzutreten, stark betont
war. Bismarck hatte nichts anderes als dies erwartet; und
er sandte nun Delbrück nach München, um, unter dem sich
steigernden Eindrucke der deutschen Kriegserfolge, über die Einzel—
heiten weiter zu verhandeln. Delbrück kam am 21. September in
München an; bald stellte sich neben ihm der württembergische
Minister von Mittnacht ein, und Besprechungen aller drei
Minister begannen auf der Grundlage der Bestimmungen der
norddeutschen Verfassung. Sie dauerten bis zum 29. September;
immer günstiger verliefen sie: Delbrück glaubte ihr Schluß—
ergebnis schon mit den Worten, die deutsche Einheit sei ge—
sichert, bezeichnen zu können.
Danach kam es für Bismarck eigentlich nur noch darauf
an, den Kronprinzen und den König von Preußen für die ge—
fundene Lösung zu gewinnen und den feierlichen Abschluß der
Verhandlungen, wie er erhoffte, durch einen deutschen Fürsten⸗
kongreß und womöglich auch einen deutschen Reichstag auf
französischem Boden herbeizuführen.
Aber eben bei der Durchführung dieses Abschlusses stellten
sich unerwartete Schwierigkeiten ein. Sie gingen von König
Ludwig von Bayern aus — wurden aber auch, wie wir sehen
werden, durch die Haltung König Ludwias von Bayvern wieder
deseitigt.
König Ludwig, schon damals ein Einsiedler, konnte sich
nicht zu einer Fahrt nach Frankreich entschließen, so verlockend
man ihm einen Aufenthalt in Trianon oder Fontainebleau vor⸗
stellte. Die durch sein Zögern veranlaßte Pause in den Ver—
handlungen machte dann wieder den König Karl von Württem⸗
herg stutzig; im Gegensatze zu seinen gut deutsch gesinnten
Ministern unterlag er den schon geschilderten, der deutschen
Einheit abholden Einflüssen.
Bismarck reagierte gegen diese widrigen Strömungen da—