Zweite Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage. 597
aus; der Präsident Schlumberger ergab sich als ebenso ge⸗
wandter Geschäftsleiter, wie er den autonomistischen Gedanken:
Festhalten an den bestehenden politischen Tatsachen, klar zum
Ausdruck brachte. Mit dem Danke der Regierung wurde der
Ausschuß am 17. Juli verabschiedet.
Schon das Jahr 1876 brachte infolge dieser Haltung eine
Erweiterung der Kompetenz des Ausschusses. Am 10. Mai
brachte Bismarck bei dem Bundesrat einen Gesetzentwurf ein,
wonach Landesgesetze für Elsaß-Lothringen mit Zustimmung
des Bundesrates vom Kaiser sollten erlassen werden können
ohne Mitwirkung des Reichstages, falls der Landesausschuß
diesen Gesetzen zugestimmt habe. Der Landesausschuß, an den
dieser Entwurf nach Genehmigung durch den Bundesrat zur
Begutachtung gelangte, stimmte freudig zu, glaubte aber zu⸗
gleich eine weitere Anregung geben zu können, indem er bat:
Es möge das Reichsland eine Landesvertretung mit be⸗
schließenden Befugnissen erhalten, wodurch der Schwerpunkt
der Gesetzgebung nach Straßburg als der Hauptstadt des
Reichslandes verlegt werde, nicht nach Berlin, und daß dem
dermaligen Oberpräsidenten von Möller, der im hohen Grade
das Vertrauen des Landes besitzt, die ausgedehntesten Befug—
nisse eingeräumt werden, wodurch der größte Teil der Ge⸗—
schäfte hier selbst in unmittelbarer Berührung mit Land und
Leuten erledigt werden kann.“
Nur wenige Monate nach dieser Petition erschien Kaiser
Wilhelm, September 1876, zum ersten Male im Reichsland,
um Kavalleriemanövern in der Gegend von Weißenburg bei⸗
zuwohnen. Er wurde, namentlich von der Landbevölkerung, mit
ungeheucheltem Enthusiasmus aufgenommen. So kam er schon im
Frühjahr 1877, im Mai, wieder, und nun auch nach Straßburg
und Metz. Der Empfang war der gleiche, herzliche. Und inzwischen
hatten, am 10. Januar 1877, neue Reichstagswahlen statt⸗
gefunden, die den vollen Sieg der Autonomisten im Unterelsaß
brachten und auch sonst zeigten, wie sehr der Autonomismus
im Fortschritt begriffen war. So lag denn kein Anlaß vor,
nicht im Sinne einer weiteren autonomen Entwicklung vor⸗