514 Fünfundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel.
kommen, so möchte Deutschland es wohl in voller Neutralität
ertragen, wenn Schlachten gewonnen und verloren würden,
würde aber in eine schwere Niederlage des einen oder des
anderen Freundes nicht willigen können.
Es war eine Politik der Zurückhaltung, die in Rußland,
wo man für den Fall eines Krieges natürlich auf eine Nieder⸗
lage sterreichs hoffte, immerhin im Sinne der Drohung mit
einer Intervention verstanden werden konnte. Indes war diese
Interpretation möglich, wenn man erfuhr, daß Bismarck gegen
Ende des Jahres das Angebot einer Allianz mit England, da⸗
mals dem entschiedensten Gegner Rußlands, abgelehnt habe?
Es war klar: vor allem wollte die deutsche Politik sich über—
haupt zurückhalten; und die Frage, ob das Reich im Orient
starke Interessen habe, wurde am 7. Dezember 1876 von Bis—
marck in einer berühmten Rede dahin beantwortet, diese Inter⸗
essen wären nicht die Knochen eines einzigen pommerschen
Musketiers wert.
Für Rußland bedeutete indes diese Haltung Deutschlands,
da es sich nicht sicher fühlte, die Türkei und sterreich zugleich
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Osterreich. Sie wurde am 15. Januar 1877 unter Umständen
erreicht, die für Rußland von vornherein ziemlich drückend
waren. Gegen das Versprechen Osterreichs, neutral zu bleiben,
willigten die Russen in die Teilnahme der großen europäischen
Mächte an der Feststellung der künftigen Friedensbedingungen,
in die Feststellung der Integrität und Unabhängigkeit Rumäniens,
die Respektierung Konstantinopels und die Okkupation der
türkischen Westprovinzen durch Ästerreich.
Unter diesen Umständen, ja fast Bedingungen ging nun
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der russischen öffentlichen Meinung dabei gegen die deutsche
Politik gewendet war. Noch mehr aber wurde dies der Fall,
als der Krieg nicht übermäßig glänzend verlief, trotz aller
Tapferkeit der Truppen und trotz schließlichen Vordringens bis
in die Nähe Konstantinopels, das zu, nehmen man im letzten
Moment doch Bedenken trug; und als es sich nun gegenüber