818 Fünfundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel.
die Konstellation, als die ersten Wahlen unter der neuen Ver—
fassung Anfang 1876 für beide Kammern eine republikanische
Mehrheit ergaben, die vor allem gegen den Klerikalismus an—
zugehen drohte. Damit war Frankreich und Deutschland, das
damals noch im Kulturkampfe stand, in gleiche Angriffslinie
gegen das Papsttum gesetzt; zudem war für Frankreich, solange
der durch und durch klerikale Mac Mahon Präjident blieb,
eine Ära innerer Zwiste eröffnet, die es nach außen kaum
aktionsfähig beließen. Diese für Deutschland günstige Situation
hatte sich dann zunächst bis zum November 1877 erhalten, ja
schließlich so weit zugespitzt, daß man am 18. und 14. Dezember
1877 unmittelbar vor einem Staatsstreich der klerikalen Re—
gierung stand, der am Ende nur durch die Gewissensbedenken
Mac Mahons vermieden wurde. Natürlich aber war durch
diese Politik hochverräterischen Wollens, zugleich aber mangelnden
Vollbringens die Person Mac Mahons nunmehr so kompro⸗
mittiert, daß er am 830. Januar 1878 seine Entlassung ein—
reichen mußte: worauf in Greévy noch am gleichen Tage ein
echter Republikaner gewählt wurde. Damit erschien denn die
Republik in Frankreich befestigt und eine gedeihliche und wider—
spruchslose Entwicklung der endlich zum vollen Siege gelangten
positiven Entwicklungsfaktoren im französischen Leben gewähr⸗
leistet.
Es war genau in der Zeit, da sich der russische Groll
gegen das Deutsche Reich und auch Österreich in verstärktem
Grade wandte: und schon begannen die ersten Fäden künftiger
engerer Verbindung zwischen Petersburg und Paris hin und
her zu schießen.
Verstärkt wurde diese Wendung der Dinge durch ein
scheinbar innerdeutsches Ereignis. Am 12. Juni 1878 starb
zu Paris König Georg V. von Hannover; und sein Sohn
Ernst August zeigte darauf dem Kaiser an, daß er alle seine
Ansprüche auf Hannover aufrechterhalte, einstweilen aber, für
die Dauer der seinem Rechte entgegenstehenden Hindernisse, den
Titel eines Herzogs von Cumberland annehmen werde. Es
war die offene Feindschaftserklärung an das Reich. Nun ver—⸗