Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Zweite Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage. 619 
mählte sich aber der Herzog von Cumberland am 21. Dezember 
1878 mit der Prinzessin Thyra von Dänemark: deutlich traten 
die Umrisse einer möglichen welfisch-dänischen Konspiration 
gegen das Reich zutage. Doch hatte das Reich schon einen 
Gegenschlag vorbereitet; am 11. Oktober 1878 war der Artikel V 
des Prager Friedens, der die Abstimmung der Bevölkerung der 
nördlichen Distrikte Schleswigs über ihre Zugehörigkeit zu 
Deutschland oder Dänemark vorbehielt, durch Einverständnis 
der beiden Kontrahenten, des Kaisers von sterreich und des 
Königs von Preußen, aufgehoben worden. Es war ein Schritt, 
der am 4. Februar 1879 im Reichsanzeiger bekanntgemacht 
wurde, und der Dänemark ebenso traf, wie er das gute Ver—⸗ 
hältnis zwischen dem Deutschen Reiche und Österreich-Ungarn 
beleuchtete. 
Nun stand aber Dänemark im engsten Verhältnis zu Ruß⸗ 
land, denn eine sehr unternehmende Schwester der Prinzessin 
Thyra war die Gemahlin des russischen Thronfolgers Alexander. 
Swurde denn der deutsche Schlag gegen Dänen und Welfen 
auch in Rußland herb empfunden, wie denn auch die nach dem 
Tode des Herzogs Wilhelm von Braunschweig — er starb am 
I8. Oktober 1884 — erfolgende Regelung der Braunschweiger 
Thronfolgefrage im Sinne einer Regentschaft unter dem Prinzen 
Albrecht von Preußen später den Gegensatz zwischen dem Ber— 
liner und dem Petersburger Hofe beträchtlich verstärkt hat. 
Akut aber wurden alle diese Anstöße zwischen österreich 
und Rußland doch erst gelegentlich der Ausführung der Be⸗ 
ftimmungen des Berliner Kongresses. Als die Russen zu sehen 
glaubten, daß in einer von den Großmächten und den beteiligten 
Staaten beschickten Kommission zur genaueren Feststellung der 
Grenzen in Novibazar die deutschen Bevollmächtigten den 
russischen Vorteil weniger wahrnahmen, wandte sich, während 
Bismarck in Gastein die Kur gebrauchte, Kaiser Alexander in 
einem dringlichen Schreiben persönlich an Kaiser Wilhelm mit 
der Forderung, die deutschen Bevollmächtigten anzuweisen, daß 
iie den russischen unter allen Umständen beizustehen hätten; 
und diese dringliche Aufforderung steigerte sich in einigen Aus⸗ 
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