376 Fünfundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel.
Ein gleiches Angebot des Zaren an Frankreich aber schlug
ebenfalls fehl.
Darauf ging der Zar ohne jede weitere sichernde Kombi—
nation gegen die Türkei vor, stellte seine Pontusflotte in
Sebastopol bereit, zog ein Heer in Bessarabien zusammen und
sandte den Admiral Fürst Mentschikoff mit einem Ultimatum
nach Konstantinopel, März 1853. Es ist bekannt, wie echt
russisch Mentschikoff in der Hohen Pforte auftrat. Aber die
Pforte lehnte das Ultimatum ab.
Darauf befahl der Zar, 7. Juli 1853, dem Fürsten Michael
Gortschakoff, die Grenze zu überschreiten und die Donau—
fürstentümer (nördlich der Donau) als „materielles Pfand“ für
die russischen Forderungen zu besetzen: es war das unmittel—
bare Signal für den Ausbruch türkischen Kriegsmutes und für
den Eingriff der europäischen Mächte.
Die Mächte, die sich in ihren Interessen am meisten ver—⸗
letzt fühlten, waren Frankreich und England; schon nach dem
Ultimatum Mentschikoffs hatten sie Flotten in den Orient ge⸗—
sandt. Aber auch der Wiener Hof fürchtete für seine östlichen,
namentlich die slawischen Besitzungen, obwohl sich die Süd—
slawen einstweilen ruhig hielten. Preußen endlich sah im Orient
keine seiner Interessen berührt, empfand aber den russischen
Angriff doch als ungerechtfertigt. So traten die genannten vier
Mächte in Wien zu einer Konferenz zusammen, um zwischen
der Türkei und Rußland zu vermitteln. Allein ohne Erfolg.
Darauf erklärte die Türkei den Krieg, am 4. Oktober 1853;
Frankreich und England aber schlossen am 27. November 1853
einen Vertrag mit der Türkei, ihr bewaffnet zu Hilfe zu kommen,
falls Rußland fortfahre, billige Friedensvorschläge zurück—
zuweisen. Als solche wurden auf der Wiener Konferenz der
vier Mächte formuliert: Räumung der Donaufürstentümer durch
Rußland, neue Regelung der Verträge von 1841 und Auf—
nahme der Türkei in den europäischen Staatenverband, endlich
eine freie Erklärung des Sultans, den christlichen Kirchen aller
Konfessionen Schutz zu gewähren.
Die Türkei nahm diese Vorschläge an: der Zar aber