Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Ursprung, Verlauf und Ausgang des Kulturkampfs. 629 
Kulturkampfe hervortrat. Und so bildet denn eben seine Ge⸗ 
schichte wie das Korrelat zu der eigentlichen politischen Ent⸗ 
wicklung der sechziger bis achtziger Jahre so den letzten Ab⸗ 
schluß einer Geschichte der ersten subiektivistischen Periode 
deutscher Entwicklung. 
Die Schicksale der katholischen Kirche hat unsere Erzählung 
jfrüher bis zur Mitte der vierziger, die der evangelischen Kirchen, 
insbesondere des preußischen Protestantismus, bis in die sech⸗ 
ziger Jahre hinein verfolgt!. Dabei konnten die Mitteilungen 
uͤber die Geschichte des kirchlichen Protestantismus kürzer sein. 
Denn selbst da, wo er, wie in dem Preußen der fünfziger 
Jahre, unbestritten von Bedeutung war, ja in gewissen Rich⸗ 
tungen den Staat zu beherrschen schien, war er doch im Grunde 
nur Werkzeug politischer Aspirationen. Oder sollte man wirk⸗ 
lich glauben, die fromme Haltung der preußischen Bureaukratie 
in dieser Zeit sei im Tiefsten Einzelleben und nicht vielmehr 
ein, von den einzelnen Personen gewiß oft sehr ehrlich gemeinter 
Ausdruck konservativer Gesinnung oder auch gar nur konserva⸗ 
liver Regierungskunst gewesen? 
Gewiß ist auch diese Entwicklung nicht ohne Gewinn ge⸗ 
hlieben; der religiöse, historische, staatliche Sinn mag bei den 
Theologen und in engeren kirchlichen Kreisen vertieft worden 
sein. Daß sie aber darüber hinaus und in die weitere 
Zukunft hinein wesentlich gewirkt habe, läßt sich schwerlich be— 
haupten. Man erwartete alles Heil von der Wiederbelebung 
ines dem allgemein subjektivistischen Zeitbewußtsein nicht mehr 
zugänglichen Bekenntnisses. Man vernachlässigte das Gemeinde⸗ 
leben. Während die Nation auch an Zahl ihrer Seelen mächtig 
zu wachsen begann, wurde man nicht einmal den äußerlichsten 
neuen, damit auftauchenden Bedürfnissen gerecht, da man die 
Vermehrung der Kirchen, der Geistlichen, der Gemeinden unter⸗ 
ließ. Wie hätte man da an der inneren Umformung der 
Geister teilnehmen sollen? Nichts ist bezeichnender, als daß 
die Fühlung mit dem mächtig empordrängenden untersten 
GS. oben S. 180ff.
	        
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