836 Fünfundzwanzigstes Buch. Fünftes Kapitel.
Saat von mittleren katholischen Verbänden für bestimmte Zwecke
empor. Da wurde im Mai 1849 zu Breslau ein Verein zur
Propaganda in den protestantischen Gegenden gestiftet, und
im Herbst 1849 zu Regensburg der Bonifaziusverein zur Unter⸗
stützung der Katholiken in der deutschen Diaspora. Später
kam dann noch die ganze Fülle jener allgemeinen Vereine hinzu,
die sich mit speziellen Angelegeuheiten der eigenen Kirche be—
schäftigen, der Borromeusverein zur Verbreitung katholischer
Literatur, die Erzbruderschaft vom heiligen Michael, der Verein
der Kindheit Jesu usw. Und an diese Vereine schloß sich die
Bildung von Tausenden noch kleinerer Korporationen, Kon⸗
gregationen, Bruderschaften für die verschiedensten religiösen
und profanen Zwecke.
Das Vereinswesen aber wurde wiederum zusammengehalten,
gepflegt und nochmals erweitert durch eine in starker Progression
wachsende Presse, die, anfangs mehr erbaulich gewendet, bald
auch politische Absichten mit Entschiedenheit zu vertreten begann.
Konnte nun diese ganze, zunächst von unten her wachsende,
aber auch von Rom her emsig geförderte Strömung ohne Einfluß
auf die Kirche bleiben? Was schon im Verlaufe der clunia⸗
zensischen Bewegung und des Investiturstreits vereinzelt zutage
getreten war, wiederholte sich jetzt, in Zeiten weit entwickelteren
Verkehrs und stärkerer persönlicher Zusammenhänge, in weit
umfassenderer Weise: der Klerikalismus machte alsbald auf die
Bischöfe seinen Einfluß geltend. Von Rom her veranlaßt und
durch Anregungen aus der deutsch-klerikalen Bewegung noch mehr
vorwärts geschoben, traten unter starker Propaganda des Kardinals
Geißel die sechsundzwanzig deutschen Bischöfe schon im Jahre 1848,
vom 22. Oktober bis 16. November, zu einer Beratschlagung der
Zeitläufte in Würzburg zusammen und erklärten: wie entschieden
und streng auch die Kirche anarchische Bestrebungen jeder Art ver⸗
werfe, so habe sie doch ein lebendiges Interesse an der Sicherung
alles desfen, was der allgemeine Ruf nach Freiheit von administra⸗
tiver Bevormundung und Kontrolle Wahres enthalte. Darum
forderten sie unbeschränkte Freiheit des Unterrichts und der
Lehre, das Recht der alleinigen Prüfung und Üüberwachung der