378 Fünfundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel.
österreichische, von Preußen unterstützte Aufforderung die Donau—
fürstentümer nicht räumen würde; offensives Vorgehen, falls es
sich die Fürstentümer einverleibe; Aufforderung an die Staaten
des Deutschen Bundes, dem Bündnis beizutreten.
Der Sinn des Vertrages war also für Ögsterreich Deckung
seines Gebietes bei etwaigem Vorgehen Rußlands, für Preußen
Sicherung seiner Stellung gegen Frankreich. An ein aktives
Eingreifen seinerseits gegen Rußland dachte Preußen dabei
eigentlich nicht; das zeigte sich deutlich, indem der König im
Mai 1854 die antirussischen Berater Bunsen in London und
von Bonin in Berlin, den Kriegsminister, entließ, indem
weiterhin der zu tatkräftiger Politik geneigte Prinz von
Preußen von seinen militärischen Amtern entbunden, ja mit
Festungshaft bedroht wurde. Der preußischen Anschauung fielen
im ganzen aber auch die kleinen Bundesstaaten zu, deren acht
sich zu Bamberg zu einer Beratung vereinigten, um von den
Großmächten nicht ganz überflügelt zu werden.
Inzwischen aber beschlossen die beiden deutschen Groß—
mächte, Rußland zur Räumung der Donaufürstentümer auf⸗
zufordern, 10. Juni 1854; und als Rußland zögerte, rückten
zsterreichische Truppen, nach Abschluß eines Besetzungsvertrages
mit der Pforte, gegen die Moldau und Walachei vor. Das
hatte insofern Erfolg, als der Zar nach längerem Zögern nun—
mehr, Anfang August 1854, den Rückzug des russischen Heeres
hinter die russische Grenze, den Pruth, „aus strategischen
Gründen“ befahl.
Damit erschien aber auch der im österreichisch-preußischen
Bündnis versprochene Kriegsfall beseitigt; die kleinen deutschen
Staaten atmeten auf, und am 24. Juli 1854 trat der Deutsche
Bund dem preußisch⸗-österreichischen Bündnisse bei.
Allein nun handelte sterreich von der damit gewonnenen
Grundlage aus weiter. Es pflog jetzt Besprechungen mit den
Westmächten über einen aktiven Eintritt in deren Politik. Ein
solcher Eintritt aber mußte den Westmächten um so lieber sein,
als sie im September 1854 den Krieg von der Donau nach
den russischen Gestaden des Schwarzen Meeres zu verlegen be—⸗—