840 Fünfundzwanzigstes Buch. Fünftes Kapitel.
Das standhafte Eintreten der Bischöfe, die zum großen
Teile diejenigen staatlichen Rechte und Einrichtungen, die den
von ihnen aufgestellten Forderungen nicht entsprachen, als nicht
mehr vorhanden betrachteten, trieb endlich einen Teil der Re—
gierungen zu neuen Konkordatsverhandlungen mit der Kurie:
denn noch immer glaubte man in der Bureaukratie, die Bischöfe
durch den Papst in Zucht halten zu können; auch verlockte das
osterreichische Beispiel. So hat Württemberg am 8. April 1857,
Baden am 28. Juni 1859 ein Konkordat geschlossen.
Aber was opferten beide Staaten in diesen Konkordaten!
In dem badischen, dem extremsten von beiden, wurde der Erz⸗
bischof von Freiburg geradezu als ein dem Untertanenverhältnis
fast entzogener geistlicher Herrscher behandelt; seiner Zensur
war die Freiburger Universität in allen ihren Lehrern unter—
stellt, und die Bildung des badischen Klerus lag ganz in seinen
Händen.
UÜberschaut man die Erfolge des Klerikalismus bis zu
diesem Höhepunkte, der, soweit es sich um formale Ab—
machungen mit den Regierungen handelt, in Deutschland nicht
überschritten worden ist, so sieht man leicht, wie seit der
Revolution von 1848 die neue Kraft der liberalen Ideen die
kurialen Ansprüche begünstigt, ja teilweise erst hervorgerufen
hatte. Dabei war mit der Durchsetzung der klerikal-kurialen
Wünsche durch die Bischöfe auf Grund der revolutionären
Bewegungsfreiheit des Jahres 1848 die Ausnutzung der
liberalen Bewegung und des modernen Subjektivismus durch
Kurie und Klerikalismus noch keineswegs abgeschlossen. Viel⸗
mehr erfolgte diese erst durch die Demokratisierung eines Teiles
der Kirche selbst. Und hierfür bot sich denn kein anderer Teil
dieser besser dar, als der durch die Konkordatspolitik des Jahr⸗
hunderts seiner Selbständigkeit beraubte niedere Klerus. So
begann sich denn etwa seit 1880, wenn auch einstweilen sehr
langsam und allmählich, die politische Aufgabe des Klerus gemäß
den Doppelbeziehungen des Katholizismus zu gabeln: den Zu—
sammenhang mit den konservativen Mächten des Subjektivismus
hielten vor allem die aristokratischen Vertreter des Klerus, die