Ursprung, Verlauf und Ausgang des Rulturkampfs. 641
Bischöfe, aufrecht, den Zusammenhang mit den populär⸗demo⸗
kratischen Elementen der niedere Klerus.
Waren nun aber auf diese Weise auch die demokratischen
Kräfte der Kirche mobilisiert, so war es von größter Bedeutung,
wem deren Führung zufallen würde. Und hier traten anfangs
Aurie oder Jesuitismus und Episkopat noch einmal in einen
—D— Bischöfe suchten den niederen
Klerus durch immer stärkere Fesselung an sich zu binden. Schon
im Jahre 1848 hat Mejer in einer Aufsehen erregenden Broschüre
auf diese Politik aufmerksam gemacht, die, von Belgien herüber⸗
kommend, namentlich durch den Kardinalerzbischof von Köln,
Geißel, betrieben wurde; im Jahre 1867 aber haben schon alle
Bischöfe auf einer Versammlung in Fulda erklärt, die Besetzung
aller Pfarren nur mit absetzbaren Verwesern sei das für Deutsch⸗
land anzustrebende Ideal.
Allein Papsttum und Jesuitismus ließen sich die Leitung der
neueren demokratisch-klerikalen Bewegung, die längst wichtiger
geworden war, als die ältere romantisch-⸗aristokratische, nicht mehr
qus den Händen reißen; und der niedere Klerus, zunächst noch
ganz in der Gewalt der Bischöfe, sah in ihrem wachsenden
Einfluß ein zu erstrebendes Gegengewicht gegen diese, zumal
auch die demokratisch-klerikalen Laien möglichst unmittelbare
Beziehungen zur Kurie anstrebten. So konnte denn Pius IX.
das neuere Vereinswesen, in welchem sich die demokratische Be⸗
wegung am entschiedensten ausprägte, ohne Widerstand zu
finden, unter die Leitung des heiligen Stuhls stellen; und erst
als diese Unterordnung als durchaus gesichert betrachtet werden
konnte, wurde den Bischöfen gestattet, Anteil an dessen Leitung
zu nehmen. Danach aber suchten Kurie und vor allem Jesui⸗
lismus auch direkt, vornehmlich durch Lehrwort und Presse,
Einfluß auf den niederen Klerus zu erhalten.
So ausgestattet, durch die Bischöfe auf die Regierungen,
durch den demokratischen Klerikalismus und den niederen Klerus
auf die Völker wirkend, gesegnet mit allen Privilegien des
Restaurationsstaates und des Liberalismus zugleich, trat das
klerikal gewordene Papsttum in die Periode seiner jüngsten