Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Ursprung, Verlauf und Ausgang des Kulturkampfs. 647 
den Ursprung des Kulturkampfes auf dem Schlachtfelde von 
Königgrätz gefunden. 
Aber nicht genug mit Preußens Sieg. Den Schmerz des 
Vatikans erhöhte es um ein beträchtliches, daß Osterreich auf 
dem Wege seiner staatlichen Rekonstruktion nach 1889 und auch 
noch nach 1866 die klerikalen Bahnen zu verlassen drohte. 
Zwar das Konkordat wurde nicht aufgehoben, wohl aber suchte 
das Ministerium Auersperg auf dem Wege innerstaatlicher Gesetz⸗ 
gebung die Umstrickung des Staates durch den Katholizismus 
zu lösen: durch Wiederherstellung des bürgerlichen Eherechts, 
durch Freistellung der Schule von der Herrschaft des Klerus, 
durch Gleichstellung der Konfessionen. Und die Gesetzentwürfe 
uͤber diese Materien erhielten, trotz des leidenschaftlichen Pro⸗ 
testes der Bischöfe, am 25. Mai 1868 die Sanktion des Kaisers. 
Es war ein für Pius IX. fast unerträglicher Schlag; als⸗ 
bald hat er diese Gesetze kraft seiner apostolischen Autorität 
als abominabiles et nefandae verdammt und für null und 
nichtig erklärt. Zugleich aber gingen die Jesuiten darauf aus, 
dem aͤußerlich ins Hintertreffen geratenen Papsttum geistlich den 
höchsten aller Triumphe zu verschaffen. Schon bei dem Zente— 
narium Petri, am 20. Juni 1867, hatten die Bischöfe erklärt, 
„die teuerste und heiligfte Sache für ihre Herzen sei, zu glauben 
und zu lehren, was der Papst glaube und lehre, die Irrtümer, 
die er verwerfe, zu verwerfen, unter seiner Führung zu wandeln, 
an seiner Seite zu kämpfen, bereit, mit ihm allen Gefahren, 
Heimsuchungen und Widerwärtigkeiten entgegenzutreten“. 
Es war eine Stellungnahme, die den Jesuiten das höchste 
Ziel, die Unfehlbarkeit des ex cathedra redenden Papstes, als 
nicht unerreichbar erscheinen ließ. Und so begannen sie jetzt 
Vorbereitungen in diesem Sinne. Am 29. Juni 1868 erschien 
die Bulle Aéèterni patris und berief zum 8. Dezember 1869, 
auf den Lieblingsfesttag des Papstes, ein allgemeines Konzilium 
nach Rom ein. Freilich: der eigentliche Zweck der Berufung 
wurde in der Bulle nicht angegeben. Es hieß nur so farblos 
wie möglich: es werde sich um die Rettung der Kirche und der 
Gesellschaft vor den sie bedrohenden Übeln handeln.
	        
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