Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

II. 
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Die Geschichte der Kurie in den beiden letzten Jahrzehnten 
hor dem Vatikanum war eigenartig genug verlaufen. Außerlich, 
auf dem Gebiete der Politik, hatte sich Unglück an Unglück gereiht. 
Gründe dieses Verfalls waren der Liberalismus und Nationalis⸗ 
mus, letzten Endes der Subjektivismus des Jahrhunderts gewesen: 
das, was der Syllabus Naturalismus genannt hatte. Der 
Liberalismus hatte die papale Regierung des Kirchenstaates 
allmählich unmöglich gemacht. Der Nationalismus hatte zur 
Einigung Italiens und Deutschlands geführt; Italiens Einigung 
hatte den äußeren Bestand des Kirchenstaates zerstört; Deutsch— 
lands Einigung vollzog sich unter Auseinandersetzungen mit 
einem Osterreich, das infolge derselben auf längere Zeit der 
Kurie untreu wurde, namentlich aber unter dem Übergang der 
deutschen Führerrolle an das protestantische Preußen. Das alles 
waren Ergebnisse, welche die Kurie mit Haß gegen den Liberalis⸗ 
mus im allgemeinen und insbesondere gegen den nationalen 
Liberalismus in Italien und Preußen erfüllen mußten. 
Andererseits aber hatte die Kurie in denselben Jahrzehnten 
der Herrschaft über die Bischöfe, die ihr die Konkordate der 
Restaurationszeit verschafft und die sie auf alle Weise, u. a. 
selbst durch Wiederbelebung der Provinzialkonzilien, vermehrt 
hatte, vermöge einer klugen Ausnutzung des Liberalismus die 
derrschaft über die demokratischen Bestandteile der Kirche, den 
iederen Klerus und die niedere Laienwelt hinzugefügt. Damit 
war sie im Begriff, auf dem Boden ihrer geistlichen Gewalt 
ebenso stark zu werden, wie sie auf dem Boden der territorialen 
Herrschaft und der weltlichen Politik schwach geworden war. 
Und Dogma der unbefleckten Empfängnis, Syllabus und 
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