Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

354 Fünfundzwanzigstes Buch. Fünftes Kapitel. 
verlassen unter der Erklärung unveränderter Opposition gegen⸗ 
über dem Papst — im September des gleichen Jahres, also 
wenige Wochen später, erklärten sie, mit Ausnahme des Bischofs 
Hefele, in einem Fuldaer gemeinsamen Hirtenbrief, das unfehl⸗ 
bare Lehramt der Kirche habe entschieden, der Heilige Geist 
gesprochen: und daher müsse jedermann, vorweg sie, die 
Bischöfe, die gefallene Entscheidung als göttlich offenbarte 
Wahrheit mit festem Glauben annehmen und mit freudigem 
derzen erfassen und bekennen. 
Damit war, in dieser Stellungnahme der Bischöfe, eine 
an das Vatikanum anschließende Bewegung auf den deutschen 
Boden, hinein in die deutsche Kirche übertragen; daran war 
kein Zweifel. Und da fragte es sich denn zunächst, ob die 
katholischen Laien nun ihren Bischöfen folgen würden. Für 
diese Frage aber war es wiederum von größter Bedeutung, 
daß sich Deutschland soeben in dem furchtbaren Kampfe mit 
Frankreich befand. Alle frommen Gebete in Deutschland 
stiegen für das Heer zum Himmel auf; niemand hatte Zeit 
und Interesse, den Wegen der jesuitisch-papalen Politik zu 
folgen. 
Erst nachdem der Friede mit Frankreich geschlossen war, 
besann sich der patriotisch gesinnte katholische Teil der Nation 
als Ganzes genauer auf die kirchlichen Fragen; und auch jetzt 
noch war fast alles Denken und alle Tätigkeit der im prak— 
tischen Leben stehenden Teile der Nation so sehr der Ordnung 
der neuen Verhältnisse, dem Wohnlichmachen gleichsam des 
neuen Reiches zugewandt, daß die Führung auf kirchlichem 
Gebiete ganz den spezifisch geistigen Berufsständen zufiel. Ein 
verhängnisvoller Zusammenhang für eine große geistige Gegen— 
bewegung gegen das Vatikanum. 
Gleichwohl begann diese am Rhein, in den katholischen 
Teilen des östlichen Preußens und in Bayern. Am kräftigsten 
in Bayern. Hier trat als ihr geistiger Führer vor allem 
Döllinger hervor. Döllinger, einer der Genossen des geistigen 
Kreises um König Ludwig J. in den vierziger Jahren, stets 
gut katholisch und in starkem Gegensatz zum Protestantismus,
	        
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