358 Fünfundzwanzigstes Buch. Fünftes Kapitel.
weit gediehen, daß der Minister von Manteuffel von der
Fraktion als einer Partei reden konnte, „der die Existenz des
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Im Laufe der fünfziger und sechziger Jahre hatte sich dann
diese Parteibildung namentlich in Preußen konsolidiert, da sie
hier zugleich durch einen gewissen Regionalismus der neu—
erworbenen Provinzen Rheinland und Westfalen getragen wurde,
die sich dem neuen staatlichen Verbande noch immer nicht gänz⸗
lich einfügen wollten. Auch war kein Zweifel, daß die Be—
strebungen der in diesem Zusammenhange handelnden Politiker
durch die zum guten Teile großdeutschen und immer nur zu
gern partikularistischen Sympathien der süddeutschen Katholiken
getragen wurden.
Diese Anfänge nahmen nun, nachdem sie unter der Wucht
der Ereignisse des Jahres 1866 noch einmal beträchtlich ge⸗
litten hatten, unter den Vorbereitungen und dem Verlaufe des
Vatikanums viel festere Formen an. Schon im Juni 1870
machte sich für die Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhaus
eine Agitation bemerklich, die sich ausdrücklich als katholisch
hezeichnete und die Sorge für die Souveränität der Kirche,
für die konfessionelle Volksschule sowie den Widerspruch gegen
eine größere Entwicklung der Staatseinbeit des Norddeutschen
Bundes als Losung ausgab.
Als dann der Krieg mit Frankreich so glorreich begonnen
war und italienische Truppen Rom besetzt hatten, da be—
schlossen die Führer dieser Bewegung, die Wahlen so zu
dirigieren, daß man die Regierung kraft ihres Ausfalles ver⸗
anlassen, nötigenfalls auch zwingen könne, dem Papste bei⸗—
ständig zu sein. Und so wurde die Bedingung aufgestellt,
daß sich der zu wählende Kandidat verpflichte, einer be—
sonderen katholischen Fraktion beizutreten; und Männern von
untadelhaft katholischer Gesinnung, die auf eine solche Ver⸗
pflichtung nicht eingehen wollten, wurde die Kandidatur ver⸗
weigert.
Was diesen Vorgängen noch einen besonders bedenklichen
Charakter gab, war die Tatsache, daß sie sich alsbald mit dem