674 Fünfundzwanzigstes Buch. Fünftes Kapitel.
aber der Westen wesentlich liberal vertreten, und somit wurde
der zunächst territorial gegebene Gegensatz zugleich auch zu einem
solchen der Parteien. Nur in diesem Zusammenhange erklärt
— D
Liberalen im neuen Reich von Anbeginn herrschte.
In diesem Gegensatze mußte Bismarck, je mehr ihm die
Einigung der Nation als möglich erschien und von ihm als
höchstes Ziel verwirklicht wurde, um so mehr sich nach der
Seite der Liberalen neigen. Der entscheidende Augenblick dafür
war die Zeit nach Beendigung des Krieges von 1866 und das
bezeichnende Ereignis das Gesuch der preußischen Regierung
um Indemnität für die Finanzführung der Jahre vor dem
Kriege. Man weiß, welche schweren Kämpfe es damals dem
Könige, der im Herzen auf seiten der Konservativen stand, ge⸗
kostet hat, die Einbringung dieses Gesuches bei den Kammern
zu genehmigen:.
Von diesem Augenblicke an begann die Opposition der
Konservativen gegen den aus ihren Reihen hervorgegangenen
Kanzler; zunächst still: aber schon Mitte Februar 1868, gelegent⸗
lich der Beratungen über den hannöverschen Provinzialfonds,
wäre es beinahe zum offenen Bruche gekommen. Indes haben
die gemeinsamen nationalen Besorgnisse und die großen Ereignisse
des Jahres 1870 dann doch noch einmal auf kurze Zeit den
Riß verdeckt. Freilich war da schon wieder die Kaiserproklamation
des Jahres 1871 ganz gegen die Meinung der Konservativen ge⸗—
wesen, und wie man weiß, eigentlich auch gegen die des Kaisers
selbst?: denn sie besiegelte den Untergang der alten preußischen
Isoliertheit und ließ, nach der Verquickung der Dinge, nun—⸗
mehr eine vollnationale und das hieß liberale ÄAra mit Gewiß—
heit voraussehen.
Als diese dann eintrat, war der Bruch zwischen dem
Kanzler und den Konservativen unvermeidlich. Bismarck ver—
suchte ihn wohl noch einmal hinauszuschieben, indem er zum
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