Ursprung, Verlauf und Ausgang des Kulturkampfs. J 675
l. Januar 1878 vom Präsidium des preußischen Ministeriums
zurücktrat und diese Würde dem Kriegsminister Roon über⸗
tragen ließ, der, Bismarck aufs engste und herzlichste befreundet,
zugleich ein Konservativer vom edelsten Schlage und in dieser
Hinsicht Gesinnungsgenosse und Vertrauter Kaiser Wilhelms war.
Doch auch diese Maßregel konnte die Entwicklung der inneren
Logik der Dinge wohl aufhalten, nicht aber unterdrücken.
Matt, verdrießlich, verstimmt über den Gang der Dinge
legte Roon am 9. November 1873 das Präsidium nieder, und
Bismarck blieb nichts übrig, als es wieder zu übernehmen.
Und nun brachen die Konservativen, durch keinen warmen und
freundschaftlichen Konnex mehr dem leitenden Staatsmanne
berbunden, offen los. Graf Arnim, bis zum Februar 1874
deutscher Botschafter in Paris, wurde als Kandidat für den
demnächst neu zu besetzenden Reichskanzlerstuhl erklärt; und
als der leichtsinnige Mann in einem Prozeß der Urkunden⸗
unterschlagung im Amte überführt und damit für immer politisch
beseitigt worden war, ja später sogar des Landesverrats überwiesen
werden konnte, da erwuchs aus gewissen Kreisen der Konservativen
eine dunkle Liga, die es unternahm, den Kanzler durch publi—
zistische Verdächtigungen aus dem Amte herauszuärgern und
selbst eingestandenermaßen durch fortgesetzte Verärgerung in seiner
Gesundheit zu schädigen. Die „Kreuzzeitung“ vor allem, dann
eine Reihe von Flugschriften, endlich die „Deutsche Eisenbahn—
zeitung“, später in „Reichsglocke“ umgetauft, fanden sich in
diesem sauberen Geschäfte zusammen: bis Ende 1876 dem
Treiben wenigstens teilweise gerichtlich ein Ende gemacht wurde.
Gelegentlich dieser gerichtlichen Verhandlungen aber wurde
ein Brief des klerikalen Freiherrn von Loe, der in Paris unter
Arnim Botschaftsrat gewesen war, an Gehlsen, den Redakteur
der „Reichsglocke“, verlesen, in dem es hieß: „Ich schlage vor,
die nächste Nummer der ‚Reichsglocke‘ zu einer Benefizvorstellung
zugunsten des Reichskanzlers zu erheben. Vom physiologisch—
medizinischen Standpunkte scheint es mir wichtig, bezüglich
der Reihenfolge der Artikel zuerst das Pathetische und dann
das Komische zu bringen. Die Hauptsache ist, daß von vorn—